Auf der Suche nach einer geeigneten Messmethode zum Abgleich von Größe und Gewicht

In den gängigen Gewichtsberechnungen wird das Stockmaß SCL zugrunde gelegt. Hierbei wird in Kauf genommen, dass es bei besonders flach oder hochgewachsenen Tieren oder bei Tieren mit ausladenden Marginalschilden zu Abweichungen kommt, die mit dem Zustand des Tieres nichts zu tun haben, sondern nur mit der der Panzerform. (Da kann es Zusammenhänge geben, ist aber nicht notwendigerweise so.)

Gleiches Stockmaß SCL - unterschiedliches Volumen

Ältere Schildkröten wachsen eher in die Höhe und in die Breite, weniger in die Länge. Sie werden also schwerer trotz gleichbleibendem Stockmaß. Warum Wisenschaftler sich auf das Stockmaß geeinigt haben, anstatt eine Messmethode zu wählen die die Panzerwölbung mit berücksichtigt, darauf habe ich keine Antwort gefunden. Offenbar haben z.B. Haileys Berechnungen (HAILEY, A. (2000): Assessing Body mass condition in the tortoise testudo hermanni in Herpetological Journal Vol10, pp57-61) ja bei seinen vielen Tausend untersuchten Tieren gut funktioniert, möglicherweise weil die auf dem Griechischen Festland vorkommenden SK alle ähnlich hoch gewölbt sind. Um das zu beurteilen, fehlt mir die Erfahrung. Meine eigenen Nachzuchten sind vom Schlupf an unterschiedlich gewölbt, auch schon bevor sich Folgen eventueller schlechter Haltung bemerkbar machen können. Die Panzerform wird offensichtlich auch durch Vererbung weitergegeben. Bei meinen gesammelten Daten führte der Abgleich mit dem Stockmaß zu einer extremen Streuung, und das nicht nur bei meinen eigenen Tieren. Die Tabelle Tab.3 zeigt aber, dass z.B. bei 5 Tieren mit einem Stockmaß von 18cm die Gewichte von 838 bis 1210g variieren.

Beim Maß über den Rückenpanzer, wie auf der Seite Testudobayern vorgeschlagen, war die Streuung bei den von mir gesammelten Daten sogarnoch größer. Beispielsweise bei den beiden Tieren mit einer Panzerlänge von 24cm lagen die ermittelten Gewichte bei 1260 und 2035g !!!

Horst Köhler schlägt vor, das Gewicht als Produkt aus Längsumfang und Querumfang darzustellen, da hierbei nur eine geringe Streuung seiner 29 vermessenen Tiere auftrat.

Es geht auch einfacher! Wenn man den Panzer-Umfang (an der höchsten Stelle auf Höhe des 3. Wirbelschildes gemessen) mit dem Gewicht in Beziehung setzt, stellt man fest, dass das Gewicht sehr gut mit dem Panzerumfang korrespondiert.

 

Diese Messmethode halte ich für in Gefangenschaft gehaltene Schildkröten, deren Panzer offensichtlich einen größeren Formenreichtum als in freier Wildbahn aufweisen, für sinnvoll. Gewichtsunterschiede beziehen sich bei dieser Methode nämlich auf die Körpermasse des Tieres und nicht auf die Panzerform. Die Abweichungen sind wesentlich geringer als beim Abgleich mit der SCL. Flach gewachsene Tiere aus suboptimaler Haltung, die ja trotzdem inzwischen gesund und optimal ernährt sein können, fallen nicht mehr so aus dem Rahmen.

 

 

 Tab 1 Verhältnis von Panzerumfang und Gewicht bei Testudo hermanni boettgeri. n = 171

Formel zur Errechnung des Soll-Gewichtes

 

Vielen Dank an "Emils_mama" und Nina aus dem  Schildkrötenforum und an Andreas Beck, Christine Dworschak und Simone Vosshage für die Übermittlung ihrer Messdaten.

 

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