FÜTTERUNG

 

 

 

Meine Schildkröten ernähren sich zum allergrößten Teil von vegetarischer Kost. Auf dem Speiseplan stehen Blätter, Stängel, Knospen und Blüten der unten genannten Pflanzen. Als Leckerli ist mal eine Beere, ein Stück Gurke oder Zucchini dabei. Als Ergänzung füttere ich Agrobs Sollte meinen Schildkröten ein appetitlicher Wurm oder eine Schnecke über den Weg laufen, hindere ich sie nicht daran, diese zu verspeisen.

Zur Kalziumversorgung befinden sich Sepiaschalen, Muschelgrit und Schneckenhäuser im Gehege. Die Nachzuchten bekommen auch zerstoßene Eierschale.

Zur Darmsanierung wird Kot anderer Tiere, z.B. Vogel- oder Katzenkot aufgenommen. Außerdem liegen immer einige Stücke Holzkohle im Gehege, da ich gehört habe, dass die Tiere diese bei Durchfallerkrankungen aufnehmen. Zwar habe ich mit eigenen Augen noch keine Schildkröte Holzkohle fressen gesehen, aber schaden kann es ja nicht.

Es existieren bereits sehr ausführliche Futterlisten im Internet, z.B. hier Die meisten Listen sind so umfangreich, dass man regelrecht erschlagen wird. Es tauchen auf diesen Listen praktisch alle Pflanzen auf, die nicht ausdrücklich giftig sind, darunter auch viele Pflanzen, die selten angerührt werden, z.B. Gänseblümchen, Himbeerblätter oder Küchenkräuter. So kann schnell der Eindruck entstehen, die Schildkröte fräße keine Wildpflanzen und es wird dann schnell wieder zu Salat gegriffen. Daher findet Ihr weiter unten eine stark "abgespeckte" Liste mit ca. 60 Futterpflanzen.

Irreführend finde ich auch den Begriff "Kräuter". Wie oft habe ich schon von verzweifelten Neueinsteigern gehört oder gelesen, deren Schildkröte keine Küchenkräuter wie Thymian noch Basilikum oder Petersilie fressen wollte

 

 

Pflanzen, die von meinen Schildkröten mit großem Appetit gefressen werden:

in gelben Buchstaben die Pflanzen, die man im aktuellen Monat Mai vorfindet

Ackerwinde

Akelei (vor der Blüte März, April)

Ackersenf

Bergflockenblume

Bohnenblätter

Borretsch

Broccoli (aus dem eigenen Garten - Knospen und Blüten)

Ehrenpreis (efeublättriger)

Feldsalat

Ferkelkraut

Fette Henne 

Franzosenkraut

Gänsedistel

Giersch (junge Blätter werden gern gefressen)

Glockenblume

Gurkenblätter

Hibiskus

Hirtentäschel

Kapuzinerkresse

Karde (junge Blätter im Frühjahr)

Kirschblüten

Klatschmohn

Klee

Klettenlabkraut (schmeckt nur im Frühjahr)

Knoblauchsrauke (junge Pflanzen vor dem Knospenaustrieb)

Kohl-Kratzdistel

Kompaßlattich

Kriechender Hahnenfuß (vor der Blüte. Sehr lecker zum Anfüttern nach der Winterstarre)

Kürbisblätter und Blüten

Löwenzahn (gut für den Schnabel: mit Wurzel ausstechen)

Malvenarten (Stockrose, wilde Malve, Moschusmalve)

Nachtkerze (Blüten)

Nachtviole (Februar bis Mai)

Platterbse

Rauke

Rainkohl

Raps

Sedum (wird nur von adulten SK gefressen)

Sonnenblume

Sonnenhut

Scharbockskraut (Februar, erste Märzhälfte, vor der Blüte)

Vergissmeinnicht (schmeckt nur vor der Blüte)

Vogelwicke 

Wegerich (Spitz-, Breit,-, Mittel-)

Wegwarte

Weinblätter

Weidenblätter

Wiesenpippau

Wiesenschaumkraut

Zucchiniblätter und Blüten

 

An diesen Pflanzen wird ohne größere Begeisterung mal im Vorbeigehen geknabbert:

sie eignen sich daher besonders gut als Gehegepflanzen

Alyssum

Baldrian

Brennessel (lieber getrocknet als frisch)

Beinwell (Comfrey)

Kleine Braunelle

Königskerze

Habichtskraut

Herzgespann

Johannisbeerblätter (im Herbst als trockenes Laub)

Monatserdbeere

Taubnessel

Vogelmiere

Ziest

 

Von unterschiedlichen Haltern wird über unterschiedliche Futtervorlieben berichtet. So fressen meine Schildkröten z.B. keine Nachtkerzenblätter (wohl aber die Blüten), während andere Halter berichten, dass diese zum Lieblingsfutter ihrer Schildkröten gehören.

 

 

Gourmetschildkröte Amanda beim täglichen Weidegang

 

 

Das Klima in den Habitaten unterscheidet sich beträchtlich von unseren klimatischen Bedingungen. Auch jahreszeitliche Unterschiede sind zu berücksichtigen. Entsprechend sollte das Futter abgestimmt sein. Mehr dazu: Magazin "Schildkröten im Focus" 1/2009, Leitartikel von H.J. Bidmon. Hier wird beschrieben, wie die Verdauung und Fermentierung des Futters an Umgebungstemperatur und -feuchtigkeit gekoppelt ist. Grob zusammengefasst: Je feuchter und wärmer die Umgebung desto eiweißreicher darf die Kost sein.

Man kann nicht davon ausgehen, dass Schildkröten jederzeit wissen, was gut für sie ist. Es sterben immer wieder Schildkröten an Vergiftungen. Das gilt besonders dann, wenn das Gehege klein ist und die Tiere wenig Auswahl haben. Besonders gefährlich ist die Eibe. Schon eine kleine Menge der Nadeln ist absolut tödlich. Vorsicht ist auch bei Allium-Gewächsen geboten.

Schildkröten fressen ausgesprochen gern süßes Obst und Getreideprodukte. Diese sind aber als Futter nicht geeignet, da sie die Darmflora schädigen. Parasitenbefall ist vorprogrammiert.

Salat - immer noch häufig empfohlen - ist wenig nährstoff- und ballaststoffreich, besonders wenn es sich um schnell wachsende mit Kunstdünger "aufgepumpte" Sorten handelt. Man kann es aber guten Gewissens verantworten, zur Abwechslung mal einen geschossenen Salatkopf aus dem eigenen Garten zu verfüttern, möglichst schon mit Knospen.

Die bei Schildkröten so beliebten Tomaten haben ein ungünstiges Kalzium-Phosphor-Verhältnis, daher wird von ihnen als Futter abgeraten. Fette Henne enthält Oxalsäure - also nur in geringen Maßen füttern.

Viele Experten raten dringend von im Zoohandel erhältlichen Pellets ab, da diese durch ihre tierischen Inhaltsstoffe viel zu eiweißreichreich sind und besonders in Kombination mit niedrigen Temperaturen und zu geringer Feuchtigkeit zu Gesundheitsschäden - äußerlich sichtbar an einem höckerigen Panzer - führen. Wenig eiweißrech sind "Agrobs":  Es sind getrocknete und zu Pellets gepresste Wiesenkräuter. Diese sind besonders ballaststoffreich. Sie müssen vor dem Füttern sehr gut in Wasser eingeweicht werden.

 

GUTEN APPETIT!

 

 

in einem naturbelassenem Garten findet sich zu jeder Jahrezeit etwas Fressbares