Der Online Ratgeber stellt seinen Betrieb demnächst ein. Alle Fragen und Antworten und vieles mehr findet sich in meinem Buch, das seit Juni 2017 im Handel ist.

Gunda Meyer de Rojas

Die Überwinterung von Europäischen Landschildkröten

Chimaira Verlag

90 Seiten

16,80 EUR

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Das Buch beginnt mit einer Kurzbeschreibung der am häufigsten gehaltenen Arten und ihren Besonderheiten bei der Überwinterung. Im Anschluss gibt es konkrete Antworten auf die häufigsten Fragen. Im Mittelpunkt stehen die Bedingungen im natürlichen Lebensraum.

Hier ein kleiner Vorgeschmack. Klicke auf deine Frage und schon erscheint die Antwort.

ALLGEMEINES

         

DIE VORBEREITUNGSPHASE

        

DIE ÜBERWINTERUNG IM GEWÄCHSHAUS ODER FRÜHBEET

           

DIE ÜBERWINTERUNG IM KÜHLSCHRANK

                        

DIE AUSWINTERUNG

       

 


 

 

ALLGEMEINES

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Babyschildkröten einwintern?

Sie sind doch noch soooo winzig! Jedem, der ein Herz für Tiere hat, widerstrebt zunächst der Gedanke, die frisch geschlüpften Schildkrötenbabys monatelang in ein kaltes Erdloch zu stecken und sich selbst zu überlassen. Es ist nicht leicht, zu akzeptieren, dass Reptilien völlig andere Bedürfnisse haben als Säugetiere.

In freier Wildbahn halten auch frisch geschlüpfte Schildkrötenbabys Winterruhe. Da der Schlupf im natürlichen Lebensraum hauptsächlich im Herbst stattfindet, folgt die Winterstarre oft direkt auf den Schlupf, ohne dass die Kleinen vorher einen einzigen Happen gefressen haben. Der eingezogene Dottersack bietet genügend Energiereserven. Das heißt: Bei Schlüpflingen dauert die Überwinterung mindestens ebenso lange bei ihren ausgewachsenen Artgenossen! Allerdings wird beobachtet, dass Schlüpflinge häufiger als adulte Tiere dazu neigen, bereits im Februar aufzutauchen und erste Sonnenbäder zu nehmen - selbst wenn die Umgebung noch sehr kalt ist.

Als Begründung wird manchmal angeführt, das Immunsystem der Winzlinge sei noch nicht ausgebildet und somit anfälliger als das der großen Tiere. Jedoch haben Schlüpflinge naturgemäß vom ersten Lebenstag an Bodenkontakt, wo es von Bakterien und Bodenorganismen nur so wimmelt. Sie verkriechen sich in feuchte Höhlen, wo Insekten und allerlei Getier zu Hause ist. Und sie fressen Kot anderer Tiere, um ihre Darmtätigkeit in Schwung zu bringen. Wenn Bodenkeime das Immunsystem übermäßig belasten würden, hätten Schildkröten mit ihrer Lebensweise nicht Jahrmillionen überlebt. Es gibt Hinweise darauf, dass die Babys im ersten Lebensjahr einen angeborenen Immunschutz mitbringen, der sich allmählich abbaut, bzw. den äußeren Bedingungen anpasst. Das würde erklären, warum mehr Schildkröten während der zweiten Winterstarre erkranken als während der ersten (Quelle 1 und Quelle 2)

Einige Züchter und sogar manche Tierärzte empfehlen für Schlüpflinge erst einmal eine verkürzte Winterstarre von 8 oder 10 Wochen. Mit diesem Kompromiss orientiert man sich an den Bedürfnissen des Halters, und nicht an denen der Schildkröte.

Für das Tier bringt das vorzeitige Auswintern nur Nachteile:

Mitte Januar wachsen keine Futterpflanzen und es gibt zu wenig natürliches Sonnenlicht. Man muss mit aufwändiger und teurer Beleuchtung nachhelfen. Terrarienhaltung unter Lampen führt fast immer zur Höckerbildung. Die ersten Monate sind besonders entscheidend für das spätere Panzerwachstum. Nicht umsonst haben Wildfänge oder Schildkröten aus konsequent naturnaher Haltung die schönsten Panzer.

 

 


Wie wichtig ist eine Gewichtskontrolle?

Auf das Wiegen während der Winterruhe kann man getrost verzichten. Kein Fachbuchautor und kein Tierarzt konnte mir bisher eine Krankheit nennen, die sich während der Überwinterung durch Gewichtsverlust ankündigt.

Schildkröten, die während des Winters an Krankheiten sterben, nehmen normalerweise vorher kein Gramm ab. Viel wichtiger ist es, zu kontrollieren, ob die Schildkröte sich ruhig verhält und ob das Substrat nicht zu trocken geworden ist.

Wieviel Frost verträgt eine Schildkröte?

Die Erfahrung zeigt, dass Europäische Landschildkröten eine gewisse Frosttoleranz besitzen, wenn auch nicht in dem Maße wie manche Amphibien oder Fische. Zudem verhindert eine erhöhte Glucosekonzentration im Blut, dass die Tiere bei Bodenfrost erfrieren Dieses natürliche Frostschutzmittel ist auch dringend erforderlich, denn in einigen Schildkrötengebieten sinken die Außentemperaturen im Winter in den zweistelligen Minusbereich und entsprechend kommt es auch in den Überwinterungsgruben zu Frost. In einer bulgarischen Studie wurden in den Überwinterungsgruben Temperaturen von bis zu -5°C gemessen. Die längste konstante Frostperiode mit -4°C in den Überwinterungsgruben betrug 7 Tage (IVANCHEV 2007).

Unfreiwillige Experimente hat es bei mir auch schon gegeben. 2008 war ein ausgebüxter Schlüpfling mehrere Tage komplett in der Oberfläche des Bodens eingefroren. Er hat keine bleibenden Schäden davongetragen. Andere Schildkrötenhalter berichten von ähnlichen Erfahrungen.

Die stärkste Gefährdung durch Frost bei wildlebenden Schildkröten sind nicht die Wintermonate, sondern der März, wenn sich die Schildkröten schon ausgegraben haben und es zu einem erneuten plötzlichen Kälteeinbruch kommt. Solche Katastrophen können wir glücklicherweise durch Zuheizen verhindern.

Dauerhafte oder sehr plötzlich eintretende Minusgrade – womöglich gar im zweistelligen Bereich - werden nicht vertragen. In freier Wildbahn wird sich eine Schildkröte instinktiv einen Platz suchen, an dem derartig tiefe Temperaturen nicht auftreten. In Gefangenschaft ist das nicht immer möglich. Hier trägt der Halter die Verantwortung, dass es nicht zu Erfrierungen kommt.

 

Wie heißt es denn nun? Winterschlaf? Winterstarre? Hibernation? Winterruhe? Kältestarre? Winterkoma? Winterchilling? Vollnarkose?

In den meisten Sprachen – auch in der Wissenschaftssprache Englisch - heißt es übereinstimmend Hibernation.


In der deutschen Sprache wird differenziert zwischen:

Winterruhe: Körpertemperatur wird aufrechterhalten. Beispiele: Bär, Eichhörnchen

Winterschlaf: Körpertemperatur sinkt ab. Beispiele: Igel, Murmeltier und

Winterstarre: Körpertemperatur passt sich der Außentemperatur an. Beispiele: Fisch, Frosch.

Bei Wikipedia und auf Webseiten für Kinder kann man sich diesbezüglich belehren lassen. Ganz besonders jedoch wird in Schildkrötenkreisen auf den Begriff "Winterstarre" Wert gelegt. In sozialen Netzwerken wird jedem, der einen anderen Begriff verwendet, gern Ahnungslosigkeit unterstellt und er wird mit Belehrungen überschüttet. Eingebürgert hat sich der Begriff etwa im Jahr 2003, zeitgleich mit dem Erscheinen populärwissenschaftlicher Schildkrötenliteratur und dem massenhaften Auftreten von Schildkröten-Ratgeber-Webseiten. Wer ausdrücken möchte, dass nicht die Jahreszeit sondern die Temperatur den Organismus zur Ruhe kommen lässt, sagt Kältestarre.

In wissenschaftlichen Abhandlungen liest man den Begriff Winterstarre eher selten im Zusammenhang mit Schildkröten. Viele Biologen verwenden die Begriffe Winterruhe oder Winterschlaf, obwohl sie sich über die Überwinterungsstrategien der unterschiedlichen Wirbeltierarten durchaus im Klaren sein dürften. (BIDMON 2014, FRITZ 2001, SASSENBURG 2005)

Letztendlich ist nicht der Begriff entscheidend, sondern dass man sich darüber im Klaren ist, dass der Organismus einer Landschildkröte durch die Außentemperatur gesteuert ist.

Bei Landschildkröten laufen während der kalten Jahreszeit alle Körperfunktionen wie Verdauung, Atmung und Herzschlag stark verlangsamt ab. Der Organismus läuft auf Sparflamme und verbraucht so gut wie keine Energie, um seine Körperwärme aufrecht zu erhalten - im Gegensatz zu winterschlafenden und -ruhenden Säugetieren. Schildkröten müssen sich daher auch vor dem Winter keine Energiereserven in Form einer dicken Speckschicht anfressen. Jedoch erstarren Schildkröten nicht in dem Maße wie Fische, Frösche oder Molche. Sie graben sich nach oben und nach unten je nach Bodentemperatur und sie reagieren auf Anstupsen. Sie sind also keineswegs starr.

Ich würde mir wünschen, dass die Sprachregelung unter Laien entspannter abliefe.

 

DIE VORBEREITUNGSPHASE

Wie kann ich meine Schildkröte bei der Vorbereitung unterstützen?

- Erde im vorgesehenen Winterquartier auflockern,

- Wärme und ggf. Licht im Frühbeet oder Gewächshaus anbieten,

- eine flache Schale mit Wasser hinstellen, Baden ist in der Regel nicht notwendig

- Stroh, Laub oder ähnliches Material zum Verkriechen anbieten.

 

Soll ich meine Schildkröte baden?

Während bis in die 90-er Jahre lauwarme Bäder zur kompletten Darmentleerung als notwendiger Bestandteil des Einwinterungsrituals empfohlen wurden, baden viele erfahrende Halter heutzutage ihre Tiere nicht mehr. Mit dem Kot werden nützliche Mikroorganismen ausgeschwemmt, die vermutlich während und nach der Winterstarre eine wichtige Funktion erfüllen. Ein klinisch reiner Darm hilft dem Tier nicht. In der Regel suchen Schildkröten während der Vorbereitungsphase nach Bedarf ihre Wasserschalen oder feuchten Quartiere auf. Deckungsarme Badeschalen mit eiskaltem Wasser sind natürlich wenig einladend. Lauwarmes Wasser und ein Büschel Moos in der Badeschale verlocken dagegen zum Baden. Schildkröten, die ihre Badeschale ignorieren, kann der Halter 1-2 mal in lauwarmes Wasser setzen

 


5 Hilfe! Meine Schildkröte will einfach nicht im Frühbeet übernachten!

Schildkröten scheinen eine andere Auffassung von Gemütlichkeit zu haben als wir Menschen. Viele Panzerträger suchen sich im Herbst absichtlich den kühlsten, feuchtesten Schlafplatz im Gehege, um sich gezielt herunterzukühlen, anstatt die Nächte dort zu verbringen, wo wir es vorgesehen haben. Gerade in großen, abwechslungsreichen Gehegen, wo eine reiche Auswahl an Unterschlupfmöglichkeiten besteht, meiden sie in der Vorbereitungsphase die geheizten Schlafhäuser.

Dazu kommt, dass einige Schildkröten sich nicht gern ihr Überwinterungsquartier mit Artgenossen teilen. Auch aus diesem Grund meiden sie Sammelunterkünfte und vergraben sich lieber draußen unter einem Grasbüschel oder im weichen Boden. Manchmal gibt es deswegen Kämpfe und Verfolgungsjagden – auch unter Weibchen. Dies kündigt sich schon Mitte August an, wenn sich die friedlichen Weibchen auf einmal verfolgen oder besteigen.

Was nun?

Man kann die Tiere zwingen, im Frühbeet zu übernachten, indem man sie jede Nacht einsammelt und einsperrt. Man kann sie in die vorbereiteten Schlafhäuser locken, indem man ausschließlich dort lockeren, angefeuchteten und grabfähigen Boden und feines Buchenlaub anbietet.

Wie weit Sicherheit vor Wohlbefinden geht, muss jeder selbst entscheiden.

Wenn keine Gefahr durch Fressfeinde besteht, kann man die Umquartierung so lange wie möglich hinauszögern.

Erst wenn sie nicht mehr fressen, und mehrere Tage teilnahmslos in ihrem selbstgewählten Unterschlupf verbracht haben, bringe ich sie ins Gewächshaus und verschließe es. Wer sich im Boden vergraben hat, kann bis zum Frost dort bleiben.

 

DIE ÜBERWINTERUNG IM FRÜHBEET ODER GEWÄCHSHAUS

 

Welches ist das beste Überwinterungssubstrat im Gewächshaus/ Frühbeet?

Zum Eingraben ist Erde aus der gewohnten Umgebung am besten geeignet.

Zum Abdecken gibt es mehrere geeignete Substrate, z.B. Buchenlaub, Eichenlaub gemischtes Laub oder Stroh. Stroh isoliert besonders gut vor Kälte, schimmelt aber bei Bodenkontakt, wenn die Erde befeuchtet wird. Buchen- und Eichenlaub nimmt besonders gut Feuchtigkeit auf und leitet sie weiter ohne zu schimmeln, isoliert aber nicht ganz so gut.

  

Die Schildkröten lieben das frische, feuchte Buchenlaub, das ab Ende Oktober zur Verfügung steht.

 

Brauche ich eine Überwinterungsgrube und ein Schlafhaus?

Es kommt drauf an...

Viele Schildkröten lehnen Schlafhäuser instinktiv ab und ziehen es vor, sich im Wurzelbereich von Pflanzen zu vergraben. Wenn das Gewächshaus/ Frühbeet ringsherum mit einem Fundament von mindestens 40cm mäusesicher gemacht wurde, ist ein Schlafhaus nicht erforderlich. Man sollte aber schon in etwa wissen, wo sich die Schildkröte befindet, um bei einem Kälteeinbruch gezielt zuheizen zu können.

Ein großzügiges Schlafhaus ist eine gute Möglichkeit, um Schildkröten bei strengem Frost vor Kälte zu schützen. Ein Boden ist bei größeren Schildkröten nicht unbedingt erforderlich. Sie graben sich so tief ins Erdreich ein, wie sie möchten. Hier erleichtert ein großer Maurerkübel unter dem Schlafhaus die Suche.


Schlafhaus mit Deckelheizung ohne Boden

Kleinere Schlafhäuser mit Boden sind hilfreich, um Schlüpflinge wieder zu finden und um sicher zu stellen, dass sie sich nicht außerhalb der Wärmequelle vergraben. Geeignete Materialien für Schlafhäuser sind Nadelholz, Hartholz, Siebdruckplatten. Styropor ist nur geeignet, wenn das Haus ausschließlich zur Überwinterung verwendet wird. Mäuse mögen Styropor und auch Schildkröten nagen daran herum. Der Boden sollte so tief wie möglich ins Erdreich eingelassen sein.


 

Überwinterungsbox aus Siebdruckplatten mit Heizkabel im Deckel, isoliert mit Styrodur  (Foto: Sylvia Zeiler)


 

Nicht im Buch: Thermostate im Test

Meine subjektiven Erfahrungen:

 

Fabrikat UT200 Bio Green Thermo 1 InkBird ITC308
 
Feuchtraumgeeignet offiziell nein ja, sogar wasserfest + ja +
Handhabung ok einfach + ok
Haltbarkeit anfällig gegen Kabelbruch solide + solide +
Kabellänge

Anschlusskabel 2m

Sensorkabel 2m

Anschlusskabel 2m

Sensorkabel 2,5m

Anschlusskabel 2m

Sensorkabel 1,50m

Temperaturbereich

-40 bis +99°C

Intervalle 0,1°C

-50 bis +99°C

Intervalle 1°C

-50 bis +120°C

Intervalle 0,1°C

Funktionen Heizen und Kühlen Heizen Heizen und Kühlen

Sonstiges

Bei  Feuchtraumsteckdose Zwischenstecker erforderlich

passt in jede Steckdose +

passt in jede Steckdose +
kalibrierbar +
Preis um 45,- EUR um 60,- EUR um 36,- EUR +
Bewertung   + + + + + + + + +

Wie schützt man seine Schildkröten vor Fressfeinden?

In sehr kalten Winterphasen oder wenn eine gewohnte Futterquelle plötzlich versiegt, gehen hungrige Ratten auch an Schildkröten. Brandmäuse (Allesfresser) vergreifen sich in Notzeiten ebenfalls an Schildkröten, auch wenn diese ansonsten nicht in ihr Beuteschema gehören. Gefährdet sind Schildkröten, die sich nicht komplett in der Erde eingegraben haben, und ganz besonders Schlüpflinge mit ihren noch weichen Bauchpanzern. Haus-, Feld- Wühlmäuse und Maulwürfe sind reine Pflanzenfresser. Von ihnen geht keine direkte Gefahr aus. Jedoch kann es passieren, dass kleine Tiere bei ihren Wühlaktivitäten umgekippt oder in eine ungünstige Position gebracht werden.

Ein Fundament von mindestens 40cm Tiefe oder ein in die Erde versenkter Maurerkübel kann Mäusen den Zugang von der Seite aus versperren. Mäuse kommen jedoch auch durch bleistiftschmale Schlitze im Eingangsbereich. Wenn man das Frühbeet nicht luftdickt verpacken will, hilft nur eine gute Mausefalle, die so aufgestellt ist, dass die Schildkröten auf keinen Fall hineingeraten. Als Köder hat sich Schokolade (Nutella) am besten bewährt.

Schildkröten, die ungeschützt im Freiland überwintern, sind durch Hunde, Füchse und Wildschweine gefährdet. Je tiefer sie vergraben sind desto geringer die Gefahr.

 

DIE KÜHLSCHRANKÜBERWINTERUNG

Wann können sie in den Kühlschrank?

Bis zum ersten Dauerfrost bleiben die Tiere in ihrer gewohnten Umgebung also in der Regel im Frühbeet oder Gewächshaus. Wenn die Bodentemperatur in der Überwinterungsgrube 3 bis 5°C beträgt, ist der perfekte Zeitpunkt für den Umzug in den Kühlschrank gekommen. Die Tiere werden dann so fest "schlafen", dass sie den Umzug nicht bemerken.

 

Wie sollte die Überwinterungsbox beschaffen sein?

Geeignet sind Kunststoffbehältnisse. Kein Holz, kein Pappkarton! Je nach Feuchtigkeitsmanagement kann man offene oder geschlossene Boxen oder auch Plastikkörbe verwenden. Die Box sollte so groß sein, dass sich die Schildkröte bequem um sich selbst drehen kann. Es können mehrere kleine Schildkröten in ein und derselben Box untergebracht werden. Falls die Boxen gestapelt werden, muss für ausreichend Abstand zwischen den Boxen gesorgt werden.

Was tun bei schwankenden Temperaturen?

Schaltet der Kühlschrank aus, weil "er merkt" dass es kühl genug ist, kühlen die Kältekanäle noch nach und die Luft wird kälter als gewollt. In einem nur zur Hälfte gefüllten Kühlschrank können so erhebliche Schwankungen auftreten. Die Lösung: Stellt oder legt man gefüllte Wasserflaschen in die Zwischenräume und in das Türfach, bleibt die Temperatur wesentlich stabiler, denn Wasser hat eine größere Wärmekapazität als Luft.

Strom spart man leider nicht durch die Wasserflaschen.

 

DIE AUSWINTERUNG

 

1 Wie lange dauert die Winterruhe?

Im natürlichen Lebensraum fällt die Dauer je nach Herkunftsgebiet und Klima sehr unterschiedlich aus. Bei Schildkröten des westlichen Mittelmeerraums (Thh) beträgt sie nur 3,5 Monate, bei Thb und Tgi in den nördlichen Verbreitungsgebieten des Balkan um die 5 Monate und bei T. horsfieldii sogar noch länger. Aus vielen Berichten weiß man, dass die Unterarten diese Verhaltensweisen auch in Gefangenschaft beibehalten und sogar auf ihre Nachkommen vererben. Davon abgesehen hat jede Schildkröte ihren individuellen Rhythmus.

Ivo Ivanchev ermittelte in einer Studie von bulgarischen Schildkröten an der Schwarzmeerküste folgende Werte: ("Schildkröten im Fokus 02/2007, S.8)

Thb: 139 - 157 Tage

Tgi: 109 - 167 Tage

Gerechnet wurde ab dem Tag des Eingrabens bis zum Auftauchen.

Es wurden einige Fälle beobachtet, wo Thb und Tgi an sonnigen Februartagen vorübergehend auftauchten und ein Sonnenbad nahmen. Hier handelte es sich vorwiegend um Schlüpflinge.

Unter menschlicher Obhut hat sich eine Dauer von 3,5 - 5 Monaten (gerechnet vom Tag der letzten Futteraufnahme) bewährt. Dabei kommt es weniger die Anzahl der Kalendertage an, denn Schildkröten, die den Drang haben, früh abzutauchen, tauchen in der Regel als letzte wieder auf. Mir sind Schildkröten bekannt, die nach über 6 Monaten gesund wieder zum Vorschein gekommen sind.

Ich persönlich würde sie nach spätestens 5,5 Monaten wecken, wenn sie von selbst keine Anstalten machen hoch zu kommen.

 

Vorzeitige Auswinterung bei weißlichem Befall am Panzer

Ein weiteres Phänomen, das in allen Überwinterungsquartieren auftreten kann, aber anscheinend durch die Kühlschranküberwinterung begünstigt wird, sind hornzersetzende Pilze und Bakterien. Die Kühlschranküberwinterung allein ist dafür niemals Auslöser, aber Tiere, die bereits vor der Winterstarre infiziert waren, laufen Gefahr, dass sich der Befall weiter ausbreitet. Feuchtes Substrat fördert die Ausbreitung. Aber auch die Überwinterung in trockenem, vergleichsweise hygienischen Substrat (Papier, Küchentücher) stoppt den Befall nicht, wenn die Schildkröte die Erreger bereits in sich trägt. Gefährdete Tiere sollten ab Februar engmaschig kontrolliert und gegebenenfalls ausgewintert werden. Die befallenen Stellen müssen restlos entfernt und mit einer entsprechenden Tinktur behandelt werden.

 

Brauche ich ein Übergangsterrarium?

Steht kein heizbares Frühbeet zur Verfügung, handelt es sich um ein sehr kaltes Frühjahr oder ist eine Schildkröte krank, kann die Unterbringung in einem Übergangsterrarium oder Innengehege notwendig werden. Hier zwei Beispiele. Die Devise heißt Licht! Licht!! Und nochmal Licht!!! Ein ungeheiztes Zimmer mit einem Südfenster oder ein Wintergarten ist ideal. Das Innengehege oder Terrarium wird so tief mit Erde gefüllt, dass man junge Futterpflanzen mit Wurzel einsetzen kann. Die Fläche wird teilweise mit Laub oder Moos bedeckt. Die Temperaturen sollten sich an den Frühjahrstemperaturen des natürlichen Lebensraums orientieren. Nachts werden die Temperaturen kräftig abgesenkt. Ein Spot, unter dem sich die Schildkröte aufwärmen kann, bietet schon vom ersten Tag an stundenweise Temperaturen von 30 – 35°C. Keine Angst vor einem Kreislaufkollaps! In einem Terrarium, das groß genug für unterschiedliche Temperaturzonen ist, wird die Schildkröte instinktiv wissen, wieviel Wärme sie verträgt.

  


Wie animiere ich sie zum Fressen?

Lauwarme Bäder wirken Wunder. Natürliches Sonnenlicht wirkt durch die UVA-Strahlung appetitanregend. Wenn keine natürliche Sonne zur Verfügung steht, tut es auch eine hochwertige Licht- und UV-Quelle, wie die Osram Ultravitalux 300W. Jungtiere sind gierig auf tierisches Eiweiß. Mäkelige Tiere bekommen zum Anfüttern ein paar Messerspitzen Katzenfutter aus der Dose. Es ist immer wieder überraschend, wie aufgeregt und interessiert sie sich fleischlicher Kost zuwenden. Ist der Appetit erst einmal geweckt, nehmen sie auch Grünfutter an. Unwiderstehlich im zeitigen Frühjahr sind Kriechender Hahnenfuß, Broccoli aus dem eigenen Garten oder Feldsalat.

 

 

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