Ab 10.Juni als Buch im Chimaira Verlag:

Das Buch beginnt mit einer Kurzbeschreibung der am häufigsten gehaltenen Arten und ihren Besonderheiten bei der Überwinterung. Im Anschluss werden ausführlich die 50 am häufigsten gestellten Fragen zur Überwinterung beantwortet.

 

 

Hier ein kleiner Vorgeschmack. Klicke auf deine Frage und schon erscheint die Antwort.

ALLGEMEINES

          

              

              

DIE VORBEREITUNGSPHASE

                

            

DIE ÜBERWINTERUNG IM GEWÄCHSHAUS ODER FRÜHBEET

            

      

DIE ÜBERWINTERUNG IM KÜHLSCHRANK

        

           

              

DIE AUSWINTERUNG

           

         

 


 

ALLGEMEINES

 

Winterstarre - ja oder nein?

Die gängigen europäischen Arten vom Balkan und aus dem Mittelmeerraum Testudo hermanni, Testudo graeca ibera, Testudo marginata und auch die in Vorderasien beheimatete Testudo horsfieldii halten eine sogenannte "Winterstarre". Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein frisch geschlüpftes oder ein uraltes Tier handelt. Tropische Landschildkröten halten keine Winterstarre. Unterarten der Testudo graeca aus Nordafrika halten keine oder nur eine verkürzte Winterruhe. Mehr dazu

Jungtiere von Testudo marginata, horsfieldii, hermanni boettgeri und hermanni hermanni

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2 Babyschildkröten einwintern?

Sie sind doch noch soooo winzig! Jedem, der ein Herz für Tiere hat, widerstrebt zunächst der Gedanke, die frisch geschlüpften Schildkrötenbabys monatelang in ein kaltes Erdloch zu stecken und sich selbst zu überlassen. Es ist nicht leicht, zu akzeptieren, dass Reptilien völlig andere Bedürfnisse haben als Säugetiere.

In freier Wildbahn halten auch frisch geschlüpfte Schildkrötenbabys Winterruhe. Da der Schlupf im natürlichen Lebensraum hauptsächlich im Herbst stattfindet, folgt die Winterstarre oft direkt auf den Schlupf, ohne dass die Kleinen vorher einen einzigen Happen gefressen haben. Der eingezogene Dottersack bietet genügend Energiereserven. Das heißt: Bei Schlüpflingen dauert die Überwinterung mindestens ebenso lange bei ihren ausgewachsenen Artgenossen! Allerdings wird beobachtet, dass Schlüpflinge häufiger als adulte Tiere dazu neigen, bereits im Februar aufzutauchen und erste Sonnenbäder zu nehmen - selbst wenn die Umgebung noch sehr kalt ist.

Als Begründung wird manchmal angeführt, das Immunsystem der Winzlinge sei noch nicht ausgebildet und somit anfälliger als das der großen Tiere. Jedoch haben Schlüpflinge naturgemäß vom ersten Lebenstag an Bodenkontakt, wo es von Bakterien und Bodenorganismen nur so wimmelt. Sie verkriechen sich in feuchte Höhlen, wo Insekten und allerlei Getier zu Hause ist. Und sie fressen Kot anderer Tiere, um ihre Darmtätigkeit in Schwung zu bringen. Wenn Bodenkeime das Immunsystem übermäßig belasten würden, hätten Schildkröten mit ihrer Lebensweise nicht Jahrmillionen überlebt. Es gibt Hinweise darauf, dass die Babys im ersten Lebensjahr einen angeborenen Immunschutz mitbringen, der sich allmählich abbaut, bzw. den äußeren Bedingungen anpasst. Das würde erklären, warum mehr Schildkröten während der zweiten Winterstarre erkranken als während der ersten (Quelle 1 und Quelle 2)

Einige Züchter und sogar manche Tierärzte empfehlen für Schlüpflinge erst einmal eine verkürzte Winterstarre von 8 oder 10 Wochen. Mit diesem Kompromiss orientiert man sich an den Bedürfnissen des Halters, und nicht an denen der Schildkröte.

Für das Tier bringt das vorzeitige Auswintern nur Nachteile:

Mitte Januar wachsen keine Futterpflanzen und es gibt zu wenig natürliches Sonnenlicht. Man muss mit aufwändiger und teurer Beleuchtung nachhelfen. Terrarienhaltung unter Lampen führt fast immer zur Höckerbildung. Die ersten Monate sind besonders entscheidend für das spätere Panzerwachstum. Nicht umsonst haben Wildfänge oder Schildkröten aus konsequent naturnaher Haltung die schönsten Panzer.

 

 

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5 Ist meine Schildkröte ein Risikokandidat?

Risikofaktoren sind:

a) Krankheiten oder Organschäden

b) Nicht abgebaute Medikamente

c) Übermäßiger Parasitenbefall

Wie kann ich die Risiken minimieren?

a) Kranke Schildkröten oder Schildkröten, die sich aufgrund nicht artgerechter Haltung Nieren- und Leberschäden zugezogen haben, unterliegen naturgemäß eher dem Risiko, die Winterstarre nicht zu überleben als gesunde. Für einen kranken Organismus kann die Winterstarre eine Belastung sein. Im Zweifelsfall gibt ein Blutbild Aufschluss.

b) Eine ernsthafte und oft unterschätzte Gefahr sind Medikamente, die im Herbst verabreicht wurden, zum Beispiel zur Entwurmung. Bevor die Schildkröte eingewintert wird, müssen die Medilkamente komplett verstoffwechselt sein. Dies dauert in der Regel mindestens 6 Wochen nach der letzten Gabe. In dieser Zeit muss die Schildkröte durch Licht, Wärme und Futter bei Laune gehalten werden, was im Herbst oft schwierig bis unmöglich ist. Im Zweifelsfall sollte man mit der Entwurmung bis zum nächsten Jahr warten, denn:

Eine spät im Jahr durchgeführte Entwurmung ist riskanter als überhaupt keine!

c) Gesunde Schildkröten mit einem gering- oder mittelgradigen Oxyurenbefall können getrost eingewintert werden. Wurde jedoch ein Massenbefall an Oxyuren (+++) festgestellt, ist eine Entwurmung angesagt, ansonsten besteht die Gefahr, dass sich die Würmer im Verdauungstrakt verknäueln und zum Tod führen. Bei Ascariden (Spulwürmern) muss grundsätzlich entwurmt werden.

 

6 Welches Überwinterungsquartier ist am besten geeignet?

Jedes Quartier hat seine Vor- und Nachteile. 100%-ige  Sicherheit gibt es nicht (übrigens auch nicht im natürlichen Lebensraum). Wenn Probleme bei der Überwinterung auftauchen, liegt es in der Regel nicht am Quartier sondern am Gesundheitszustand der Schildkröte oder an der Art der Vorbereitung. Eine gesunde Schildkröte steckt auch suboptimale Überwinterungsbedingungen weg.

 

Eine Gegenüberstellung der gängigsten Wnterquartiere:

 

Quartier

Vorteile

Nachteile

Frühbeet/ Gewächshaus

(in einer Überwinterungsgrube)

Die Schildkröten bleiben in ihrer gewohnten Umgebung

Sie bereiten sich selbstständig vor und wintern sich selbstständig aus

geringer Stromverbrauch (bei der richtigen Heizmethode)

Der Kontrollaufwand hält sich in Grenzen

Wenig Risiken, sich durch Keime zu infizieren

Gefahr durch Nager (Vermeidbar. durch Mausefallen!)

Externe Überwinterungsgrube

am Frühbeet

Sie bereiten sich selbstständig vor und wintern sich selbstständig aus

geringer Stromverbrauch

Der Kontrollaufwand hält sich in Grenzen

Wenig Risiken, sich durch Keime zu infizieren

Evtl. Umquartierung notwendig

Gefahr durch Nager (Vermeidbar durch Mausefallen!)
 

Kühlschrank

(in einer Plastikbox)

Kommt dem menschlichen Kontrollbedürfnis entgegen

Sicherster Schutz gegen Ratten und Mäuse

Höherer Kontrollaufwand: Substratfeuchtigkeit, Schimmel

Risiko durch Bakterien oder Pilze zu erkranken ist höher

Gefahr des Erfrierens bei Ausfall der Technik oder bei Berührung mit der Kühlschrank-Rückwand

Falls sie zwischenzeitlich wach werden, haben sie keine Möglichkeit, den Platz zu wechseln.

 

Keller

(Holz- oder Plastikbox)

Kommt dem menschlichen Kontrollbedürfnis entgegen

Zu warm. Kaum ein Keller bietet die notwendigen niedrigen Temperaturen von durchschnittlich 4,5°C

Gefahr durch Nager (Vermeidbar. Mausefallen!)

Erdkeller, Bunker

(Erdboden, Holzkiste oder Plastikbox)

Kommt dem menschlichen Kontrollbedürfnis entgegen

Das Risiko durch Bakterien oder Pilze zu erkranken ist gering

Luftfeuchtigkeit optimal

Umquartierung notwendig

Wärme muss evtl. durch Öffnen der Tür reguliert werden

Ungeheizte Garage, Gartenhaus, Lichtschacht, Balkon

(in einer sehr gut isolierten Box)

Kommt dem menschlichen Kontrollbedürfnis entgegen

Es kann zu kalt werden. Die Schildkröte verbraucht Kalorien und verliert Gewicht bei vergeblichen Versuchen, sich bei fallenden Temperaturen tiefer einzugraben.

Freiland

(Erdboden, Komposthaufen)

Die Schildkröten bleiben in ihrer gewohnten Umgebung

Sie bereiten sich selbstständig vor

Wenig Risiken, sich durch Keime zu infizieren

Gefahr des Erfrierens

Gefahr des Ertrinkens

Gefahr durch große und kleine Fressfeinde

Ungeachtet der Tatsache, dass man Temperatur und Schildkröte im Kühlschrank jederzeit überwachen kann, sind die Risiken der Kühlschranküberwinterung nicht niedriger als bei anderen Überwinterungsmethoden. Eine Erhebung über Todesfälle während der Winterstarre, die ich über zwei Jahre durchgeführt habe, ergab, dass das Risiko sogar deutlich höher ist. (MEYER DE ROJAS, 2014) Als sicherstes Überwinterungsquartier stellte sich in dieser Studie übrigens das Frühbeet/ Gewächshaus heraus. Glücklicherweise sind Krankheits- oder gar Todesfälle während der Winterstarre die absolute Ausnahme. Wenn jemand bisher jahrelang gut mit der Kühlschranküberwinterung  zurechtgekommen ist, gibt es keinen Grund, dies jetzt zu ändern.

Die Freilandüberwinterung ist ausschließlich in Regionen mit vergleichsweise milden Wintern und Frühjahren eine mögliche Option. Wenn die Schildkröte die Möglichkeit hat, ihren Überwinterungsplatz in einem großen Areal frei zu wählen, mag es funktionieren. Es gibt tatsächlich Schildkröten, die sich seit Jahrzehnten unterm Komposthaufen eingraben und jedes Jahr gesund wieder auftauchen. Wenn sie tief genug vergraben sind, geht das Risiko, Fressfeinden zum Opfer zu fallen, gegen Null.

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7 Müssen Schildkröten das Überwintern lernen?

Schon die kleinsten Schildkröten wissen instinktiv, wie sie sich auf die Winterstarre vorbereiten müssen und wann es Zeit ist, sich einzugraben.

Auch einer Schildkröte, der jahrelang die Winterstarre vorenthalten wurde, geht der Instinkt sich zu vergraben nicht verloren. Als Gewohnheitstier wird sie sich vielleicht die ersten Jahre etwas schwer tun mit der Suche nach einem passenden Quartier, jedenfalls wenn sie zeitlebens hinter den Wohnzimmerschrank überwintert hat. Da muss der Halter lenkend eingreifen.

Wenn Schildkröten, die jahrelang in der Wohnung gehalten wurden, sich weigern, die Winterstarre anzutreten, kann das gesundheitliche Gründe haben. Ob das Tier eine Winterruhe halten darf, sollte durch eine tierärztliche Untersuchung abgeklärt werden.


Im Frühbeet und Gewächshaus braucht man nicht viel nachzuhelfen, um Temperaturbedingungen wie im Habitat zu erzielen. An sonnigen Tagen oder bei höheren Außentemperaturen erwärmt sich der Boden durch den Thermoeffekt. Bis Anfang Dezember sinken die Bodentemperaturen selten unter 6°C. An den wenigen kälteren Tagen werden die Schildkröten angeregt, sich tiefer ins Erdreich zu graben, und das ist gut so.

In milden Wintern liegt die Temperatur in meinem ungeheizten Gewächshaus manchmal tagelang über den geforderten 6°C. Aus langjähriger Erfahrung kann ich bestätigen, dass Thb auch höhere Überwinterungstemperaturen (bis mindestens 10°C) vertragen, ohne Krankheitszeichen zu zeigen oder ein einziges Gramm abzunehmen. Im Gegenteil, einige meiner Schlüpflinge nahmen noch 1-2g zu. (selbst in trockener Erde) Ob die Tiere sich innerlich vergiftet haben, kann ich letztendlich nicht beurteilen. Jedoch fingen bisher alle nach wenigen Tagen mit dem Fressen an.

 


 

10 Meine Schildkröte wird nicht starr! Was hat sie?

Schildkröten erstarren nicht in dem Maße wie einige Frosch- und Fischarten, die im Winter komplett durchfrieren und im Frühjahr wieder auftauen. Daher kann der Ausdruck "Winterstarre" zu Missverständnissen führen.
Besonders in der Vorbereitungsphase sind die Tiere alles andere als starr. Sie folgen der Optimaltemperatur, indem sie sich in Form von Drehbewegungen nach oben und nach unten graben.

Wenn die Schildkröte jedoch bei Kälte rastlos durch die Gegend läuft und keine Anstalten machen, sich zurückzuziehen, steckt höchstwahrscheinlich eine organische Ursache dahinter. Ich habe schon von Schildkröten gehört, die aufgrund von verknäulten Würmern oder Steinen im Verdauungstrakt nicht zur Ruhe kamen. Hier kann nur ein Röntgenbild beim Tierarzt Aufschluss geben.

Schildkröten, die sich schon im Tiefschlaf befunden haben, sind in der Lage, kurzfristig Aktivitäten zu entwickeln. Bei Stress reichert sich das Blut mit Glukose an und verleiht dem Tier einen Energieschub, so dass sie in gewissen Grenzen in der Lage sind, sich Gefahren – z.B. Fressfeinden – durch Weglaufen zu entziehen. (Daher meiden viele Schildkröten wohl instinktiv geschlossene Behältnisse!)

In sporadisch auftretenden "Tiefschlafphasen" bei Temperaturen nahe Null Grad sind sie zeitweise tatsächlich starr und wirken wie tot. Dieser Zustand hält aber höchstens ein bis zwei Tage an.

11 Wie wichtig ist eine Gewichtskontrolle?

Auf das Wiegen während der Winterruhe kann man getrost verzichten. Kein Fachbuchautor und kein Tierarzt konnte mir bisher eine Krankheit nennen, die sich während der Überwinterung durch Gewichtsverlust ankündigt.

Schildkröten, die während des Winters an Krankheiten sterben, nehmen normalerweise vorher kein Gramm ab. Viel wichtiger ist es, zu kontrollieren, ob die Schildkröte sich ruhig verhält und ob das Substrat nicht zu trocken geworden ist.

12 Wieviel Frost verträgt eine Schildkröte?

Die Erfahrung zeigt, dass Europäische Landschildkröten eine gewisse Frosttoleranz besitzen, wenn auch nicht in dem Maße wie manche Amphibien oder Fische. Zudem verhindert eine erhöhte Glucosekonzentration im Blut, dass die Tiere bei Bodenfrost erfrieren Dieses natürliche Frostschutzmittel ist auch dringend erforderlich, denn in einigen Schildkrötengebieten sinken die Außentemperaturen im Winter in den zweistelligen Minusbereich und entsprechend kommt es auch in den Überwinterungsgruben zu Frost. In einer bulgarischen Studie wurden in den Überwinterungsgruben Temperaturen von bis zu -5°C gemessen. Die längste konstante Frostperiode mit -4°C in den Überwinterungsgruben betrug 7 Tage (IVANCHEV 2007).

Unfreiwillige Experimente hat es bei mir auch schon gegeben. 2008 war ein ausgebüxter Schlüpfling mehrere Tage komplett in der Oberfläche des Bodens eingefroren. Er hat keine bleibenden Schäden davongetragen. Andere Schildkrötenhalter berichten von ähnlichen Erfahrungen.

Die stärkste Gefährdung durch Frost bei wildlebenden Schildkröten sind nicht die Wintermonate, sondern der März, wenn sich die Schildkröten schon ausgegraben haben und es zu einem erneuten plötzlichen Kälteeinbruch kommt. Solche Katastrophen können wir glücklicherweise durch Zuheizen verhindern.

Dauerhafte oder sehr plötzlich eintretende Minusgrade – womöglich gar im zweistelligen Bereich - werden nicht vertragen. In freier Wildbahn wird sich eine Schildkröte instinktiv einen Platz suchen, an dem derartig tiefe Temperaturen nicht auftreten. In Gefangenschaft ist das nicht immer möglich. Hier trägt der Halter die Verantwortung, dass es nicht zu Erfrierungen kommt.

 

13 Wie kann ich sicher sein, ob meine Schildkröte noch lebt?

Der Tod einer Schildkröte ist nicht leicht von einer vorübergehenden Phase der Starre zu unterscheiden. Also warten Sie im Zweifelsfall einige Tage bevor Sie das Tier beerdigen!

Eindeutige Kennzeichen für den Tod einer Schildkröte:

  • Die Gliedmaßen sind völlig starr.
  • Die Schildkröte reagiert 24 Stunden nach dem Aufwärmen immer noch nicht auf Berührungen.
  • Die Augen sind in ihre Höhlen zurückgetreten.
  • Ein deutlicher Gewichtsverlust ist eingetreten.
  • Jungtiere, bei denen der Knochenpanzer noch nicht geschlossen ist, zeigen ein nach innen gewölbtes Plastron.
  • Tote Schildkröten, bei denen der Zersetzungsprozess bereits eingesetzt hat, fangen an zu riechen.

Oft findet man die Tiere komplett in ihren Panzer zurückgezogen auf.

Möglicherweise litt das Tier an einer ansteckenden Krankheit oder an Parasiten, sodass verbleibende Artgenossen jetzt engmaschig kontrolliert werden müssen. Um Risiken zu vermeiden, ist es besser, Schildkröten, die Kontakt zu dem verstorbenen Tier hatten, auszuwintern.

Wenn Sie Klarheit über die Todesursache haben möchten, schicken Sie den Kadaver umgehend luftdicht verpackt zu einem Institut, das sich auf derartige Sektionen spezialisiert hat. Hier zwei Adressen:

Exomed, Schönhauser Straße 62, 13127 Berlin

CVUA-OWL, Dr.med.vet. Silvia Blahak, Westerfeldstraße 1, 32758 Detmold. Es gibt online ein Begleitschreiben zum Herunterladen.

 

14 Wie heißt es denn nun? Winterschlaf? Winterstarre? Hibernation? Winterruhe? Kältestarre? Winterkoma? Winterchilling? Vollnarkose?

In den meisten Sprachen – auch in der Wissenschaftssprache Englisch - heißt es übereinstimmend Hibernation.


In der deutschen Sprache wird differenziert zwischen:

Winterruhe: Körpertemperatur wird aufrechterhalten. Beispiele: Bär, Eichhörnchen

Winterschlaf: Körpertemperatur sinkt ab. Beispiele: Igel, Murmeltier und

Winterstarre: Körpertemperatur passt sich der Außentemperatur an. Beispiele: Fisch, Frosch.

Bei Wikipedia und auf Webseiten für Kinder kann man sich diesbezüglich belehren lassen. Ganz besonders jedoch wird in Schildkrötenkreisen auf den Begriff "Winterstarre" Wert gelegt. In sozialen Netzwerken wird jedem, der einen anderen Begriff verwendet, gern Ahnungslosigkeit unterstellt und er wird mit Belehrungen überschüttet. Eingebürgert hat sich der Begriff etwa im Jahr 2003, zeitgleich mit dem Erscheinen populärwissenschaftlicher Schildkrötenliteratur und dem massenhaften Auftreten von Schildkröten-Ratgeber-Webseiten. Wer ausdrücken möchte, dass nicht die Jahreszeit sondern die Temperatur den Organismus zur Ruhe kommen lässt, sagt Kältestarre.

In wissenschaftlichen Abhandlungen liest man den Begriff Winterstarre eher selten im Zusammenhang mit Schildkröten. Viele Biologen verwenden die Begriffe Winterruhe oder Winterschlaf, obwohl sie sich über die Überwinterungsstrategien der unterschiedlichen Wirbeltierarten durchaus im Klaren sein dürften. (BIDMON 2014, FRITZ 2001, SASSENBURG 2005)

Letztendlich ist nicht der Begriff entscheidend, sondern dass man sich darüber im Klaren ist, dass der Organismus einer Landschildkröte durch die Außentemperatur gesteuert ist.

Bei Landschildkröten laufen während der kalten Jahreszeit alle Körperfunktionen wie Verdauung, Atmung und Herzschlag stark verlangsamt ab. Der Organismus läuft auf Sparflamme und verbraucht so gut wie keine Energie, um seine Körperwärme aufrecht zu erhalten - im Gegensatz zu winterschlafenden und -ruhenden Säugetieren. Schildkröten müssen sich daher auch vor dem Winter keine Energiereserven in Form einer dicken Speckschicht anfressen. Jedoch erstarren Schildkröten nicht in dem Maße wie Fische, Frösche oder Molche. Sie graben sich nach oben und nach unten je nach Bodentemperatur und sie reagieren auf Anstupsen. Sie sind also keineswegs starr.

Ich würde mir wünschen, dass die Sprachregelung unter Laien entspannter abliefe.

 

DIE VORBEREITUNGSPHASE

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2 Wie kann ich meine Schildkröte bei der Vorbereitung unterstützen?

- Erde im vorgesehenen Winterquartier auflockern,

- Wärme und ggf. Licht im Frühbeet oder Gewächshaus anbieten,

- eine flache Schale mit Wasser hinstellen, Baden ist in der Regel nicht notwendig

- Stroh, Laub oder ähnliches Material zum Verkriechen anbieten.

 

3 Soll ich meine Schildkröte baden?

Während bis in die 90-er Jahre lauwarme Bäder zur kompletten Darmentleerung als notwendiger Bestandteil des Einwinterungsrituals empfohlen wurden, baden viele erfahrende Halter heutzutage ihre Tiere nicht mehr. Mit dem Kot werden nützliche Mikroorganismen ausgeschwemmt, die vermutlich während und nach der Winterstarre eine wichtige Funktion erfüllen. Ein klinisch reiner Darm hilft dem Tier nicht. In der Regel suchen Schildkröten während der Vorbereitungsphase nach Bedarf ihre Wasserschalen oder feuchten Quartiere auf. Deckungsarme Badeschalen mit eiskaltem Wasser sind natürlich wenig einladend. Lauwarmes Wasser und ein Büschel Moos in der Badeschale verlocken dagegen zum Baden. Schildkröten, die ihre Badeschale ignorieren, kann der Halter 1-2 mal in lauwarmes Wasser setzen

 


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5 Hilfe! Meine Schildkröte will einfach nicht im Frühbeet übernachten!

Schildkröten scheinen eine andere Auffassung von Gemütlichkeit zu haben als wir Menschen. Viele Panzerträger suchen sich im Herbst absichtlich den kühlsten, feuchtesten Schlafplatz im Gehege, um sich gezielt herunterzukühlen, anstatt die Nächte dort zu verbringen, wo wir es vorgesehen haben. Gerade in großen, abwechslungsreichen Gehegen, wo eine reiche Auswahl an Unterschlupfmöglichkeiten besteht, meiden sie in der Vorbereitungsphase die geheizten Schlafhäuser.

Dazu kommt, dass einige Schildkröten sich nicht gern ihr Überwinterungsquartier mit Artgenossen teilen. Auch aus diesem Grund meiden sie Sammelunterkünfte und vergraben sich lieber draußen unter einem Grasbüschel oder im weichen Boden. Manchmal gibt es deswegen Kämpfe und Verfolgungsjagden – auch unter Weibchen. Dies kündigt sich schon Mitte August an, wenn sich die friedlichen Weibchen auf einmal verfolgen oder besteigen.

Was nun?

Man kann die Tiere zwingen, im Frühbeet zu übernachten, indem man sie jede Nacht einsammelt und einsperrt. Man kann sie in die vorbereiteten Schlafhäuser locken, indem man ausschließlich dort lockeren, angefeuchteten und grabfähigen Boden und feines Buchenlaub anbietet.

Wie weit Sicherheit vor Wohlbefinden geht, muss jeder selbst entscheiden.

Wenn keine Gefahr durch Fressfeinde besteht, kann man die Umquartierung so lange wie möglich hinauszögern.

Erst wenn sie nicht mehr fressen, und mehrere Tage teilnahmslos in ihrem selbstgewählten Unterschlupf verbracht haben, bringe ich sie ins Gewächshaus und verschließe es. Wer sich im Boden vergraben hat, kann bis zum Frost dort bleiben.

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7 Wie verläuft die Vorbereitung im Terrarium?

Wenn irgend möglich, sollte die Schildkröte sich in ihrer gewohnten Umgebung – also in ihrem Freigehege, Frühbeet oder Gewächshaus - selbstständig vorbereiten. Es ist nicht sinnvoll, das Tier bei kühleren Außentemperaturen ins Haus zu holen und ihm sommerliche Temperaturen vorzugaukeln. Die Vorbereitung im Haus ist ungleich schwieriger. Ausnahmen bilden Schildkröten, die aufgrund einer Krankheit oder aufgrund einer zu spät erfolgten Entwurmung im Haus gehalten werden müssen.

Für die Vorbereitung im Haus stellt man ein Terrarium oder Zimmergehege mit reichlich Erde und Substrat zum Vergraben zur Verfügung. Eine große Schale mit frischem Wasser sollte stets bereit stehen. Grünfutter (keine Leckerli) wird so lange angeboten bis die Schildkröte von selbst das Fressen einstellt. So lange das Tier noch Nahrung aufnimmt sollte für einige Stunden ein Spot-Strahler brennen, der den Panzer auf 35°C erwärmt und den die Schildkröte nach Belieben aufsuchen kann. Die Beleuchtungsdauer reduziert man innerhalb von 4 Wochen bis auf eine Stunde pro Tag. Auch die Umgebungstemperatur wird gedrosselt. Innerhalb von 4 Wochen sollten die Werte unter 10°C liegen, was man im Zimmer allerdings kaum hinbekommt. Warme Nachttemperaturen verzögern die Umstellung auf den Winterruhemodus.

Wenn möglich, stellt man die Box mit der Schildkröte gegen Ende der Vorbereitungsphase nachts in den Hausflur oder schon in den Kühlschrank. Das reduziert den Appetit ungemein.

Eine Temperaturreduzierung nach festem Zeitplan ist nicht notwendig und auch kaum umsetzbar. Auch im natürlichen Lebensraum erfolgt die Reduzierung nicht linear. Zur Orientierung kann man Temperaturdaten aus Habitaten der Schildkröte heranziehen.

 

DIE ÜBERWINTERUNG IM FRÜHBEET ODER GEWÄCHSHAUS

 

1 Welches ist das beste Überwinterungssubstrat im Gewächshaus/ Frühbeet?

Zum Eingraben ist Erde aus der gewohnten Umgebung am besten geeignet.

Zum Abdecken gibt es mehrere geeignete Substrate, z.B. Buchenlaub, Eichenlaub gemischtes Laub oder Stroh. Stroh isoliert besonders gut vor Kälte, schimmelt aber bei Bodenkontakt, wenn die Erde befeuchtet wird. Buchen- und Eichenlaub nimmt besonders gut Feuchtigkeit auf und leitet sie weiter ohne zu schimmeln, isoliert aber nicht ganz so gut.

  

Die Schildkröten lieben das frische, feuchte Buchenlaub, das ab Ende Oktober zur Verfügung steht.

 

2 Brauche ich eine Überwinterungsgrube und ein Schlafhaus?

Es kommt drauf an...

Viele Schildkröten lehnen Schlafhäuser instinktiv ab und ziehen es vor, sich im Wurzelbereich von Pflanzen zu vergraben. Wenn das Gewächshaus/ Frühbeet ringsherum mit einem Fundament von mindestens 40cm mäusesicher gemacht wurde, ist ein Schlafhaus nicht erforderlich. Man sollte aber schon in etwa wissen, wo sich die Schildkröte befindet, um bei einem Kälteeinbruch gezielt zuheizen zu können.

Ein großzügiges Schlafhaus ist eine gute Möglichkeit, um Schildkröten bei strengem Frost vor Kälte zu schützen. Ein Boden ist bei größeren Schildkröten nicht unbedingt erforderlich. Sie graben sich so tief ins Erdreich ein, wie sie möchten. Hier erleichtert ein großer Maurerkübel unter dem Schlafhaus die Suche.


Schlafhaus mit Deckelheizung ohne Boden

Kleinere Schlafhäuser mit Boden sind hilfreich, um Schlüpflinge wieder zu finden und um sicher zu stellen, dass sie sich nicht außerhalb der Wärmequelle vergraben. Geeignete Materialien für Schlafhäuser sind Nadelholz, Hartholz, Siebdruckplatten. Styropor ist nur geeignet, wenn das Haus ausschließlich zur Überwinterung verwendet wird. Mäuse mögen Styropor und auch Schildkröten nagen daran herum. Der Boden sollte so tief wie möglich ins Erdreich eingelassen sein.


 

4 So klappt die Überwinterung im Gewächshaus/ Frühbeet - Schritt für Schritt

Mitte September - Mitte Oktober:

Bei herbstlichen Temperaturen hören die Tiere allmählich auf zu fressen. Sie verkriechen sich an einem geschützten Platz oder beginnen sich zu vergraben. Beliebt sind Grasbüschel oder Wurzelbereiche von Sträuchern, von denen Laub fällt. In dieser Phase muss man aufpassen, dass man seine Schildkröten wieder findet. Es hilft, das Gehege provisorisch zu verkleinern, z.B. Mit Brettern oder Backsteinen.

Mitte Oktober - Anfang November:

Die Tiere werden an den endgültigen Überwinterungsplatz im Frühbeet oder Gewächshaus gebracht oder sie finden sich im Idealfall selbst dort ein. Der Boden sollte locker und leicht feucht sein. Man füllt das Frühbeet oder die Überwinterungsquartiere mit viel Laub oder Stroh. Die Heizung bleibt in dieser Phase noch aus. Zu frühes Heizen führt dazu, dass die Tiere an der Oberfläche bleiben. Das Winterquartier kann man mit Steinen, Brettern oder Styrodurplatten abgrenzen. Diese flexiblen Materialien lassen sich im Frühjahr leicht wieder abbauen

 

Vorbereitete Überwinterungsquartiere mit Styrodurbegrenzungen im Gewächshaus (Foto Barbara Henschke)

Mitte bis Ende November: 

Nun wir die Heizung installiert. Als Heizung eignen sich thermostatgesteuerte Heizkabel oder Heizmatten. Heizkabel kann man am Deckel befestigen oder man kann sie im Frühbeet zwischen den Profilen hin und her spannen..

 

Überwinterungsbox aus Siebdruckplatten mit Heizkabel im Deckel, isoliert mit Styrodur  (Foto: Sylvia Zeiler)

 

Eine Methode für große Winterquartiere im Gewächshaus: Man umrandet den Bereich mit Brettern oder Steinen. Über die Konstruktion wird ein Gitter gelegt. Man kann das Abdeckgitter von einem Jungtiergehege verwenden. Darauf werden Heizmatten gelegt oder Heizkabel eingeflochten. Das gesamte Quartier wird mit Kokosmatten, alten Wolldecken oder anderem verfügbaren Material abgedeckt.  Kein Plastik – Schimmelgefahr! Die offene Seite eines Schlafhauses kann man mit Tannengrün zustopfen.

 

 

Die Fühler der Thermostaten stecken einige cm tief in der Erde und sind so geregelt, dass die Heizung bei ca. 4°C anspringt. Die Heizsaison kann nun beginnen. In Norddeutschland kommt man normalerweise bis Anfang Dezember ohne Heizung aus. Erst bei Außentemperaturen deutlich unter Null sinkt die Bodentemperatur so weit ab, dass die Thermostaten anspringen. Es handelt sich also um eine sehr stromsparende Überwinterungsmethode. Zur Sicherheit werden in jedem Einzelquartier Minimum-Maximum-Thermometer angebracht.

Dauerfrost Dezember bis Februar:

Die Quartiere werden mit zusätzlichen Strohsäcken, alten Decken, Styrodurplatten oder anderem isolierenden Material locker abgedeckt. Die Thermostaten werden eventuell nachreguliert.

März:

Die Abdeckungen werden von den Quartieren entfernt. Sonne scheint auf Abdecksubstrat und Boden. In der Nacht muss noch zugeheizt werden. Eine Schildkröte nach der anderen kommt zum Vorschein.

 

5 Gegenüberstellung Heizmöglichkeiten

Meine subjektiven Erfahrungen:

 

  Heizmatte Heizkabel Frostwächter Dunkelstrahler
 
Montage direkt über der Überwinterungsgrube im Deckel des Schlafhauses oder auf ein Gitter gelegt direkt über der Überwinterungsgrube in ein Gitter geflochten oder an einen Deckel geklebt Wand des Gewächshauses oder Frühbeetes an einer speziellen Vorrichtung hängend im Gewächshaus, Frühbeet oder großem Schlafhaus
Vorteile

gleichmäßige Verteilung der Wärme +

sehr effektiv
 

flexibel

in jeder Form verlegbar +
 

  im Schlafhaus effektiv
Nachteile   Beheizung wenier effektiv und weniger gleichmäßig als Heizmatte

wenig effektiv, warme Luft steigt nach oben

Bringt Schnee auf dem Frühbeet zum Schmelzen (Isolierfunktion geht verloren), Frühbeet kann dadurch zufrieren

genügend Abstand zu Stroh und Laub erforderlich

 
Stromverbrauch  sehr niedrig ++ niedrig + sehr hoch mittel - hoch
Preis
30 - 40 W
ab 30,- EUR
50W
ab ca. 28,- EUR
 500W
ab 15,- EUR +
60 - 100W
ab 15,- EUR +

 

5 Thermostate im Test

Meine subjektiven Erfahrungen:

 

Fabrikat UT200 Bio Green Thermo 1 InkBird ITC308
 
Feuchtraumgeeignet offiziell nein ja, sogar wasserfest + ja +
Handhabung ok einfach + ok
Haltbarkeit anfällig gegen Kabelbruch solide + solide +
Kabellänge

Anschlusskabel 2m

Sensorkabel 2m

Anschlusskabel 2m

Sensorkabel 2,5m

Anschlusskabel 2m

Sensorkabel 1,50m

Temperaturbereich

-40 bis +99°C

Intervalle 0,1°C

-50 bis +99°C

Intervalle 1°C

-50 bis +120°C

Intervalle 0,1°C

Funktionen Heizen und Kühlen Heizen Heizen und Kühlen

Sonstiges

Bei  Feuchtraumsteckdose Zwischenstecker erforderlich

passt in jede Steckdose +

passt in jede Steckdose +
kalibrierbar +
Preis um 45,- EUR um 60,- EUR um 36,- EUR +
Bewertung   + + + + + + + + +

      

 

7 Wie schützt man seine Schildkröten vor Fressfeinden?

In sehr kalten Winterphasen oder wenn eine gewohnte Futterquelle plötzlich versiegt, gehen hungrige Ratten auch an Schildkröten. Brandmäuse (Allesfresser) vergreifen sich in Notzeiten ebenfalls an Schildkröten, auch wenn diese ansonsten nicht in ihr Beuteschema gehören. Gefährdet sind Schildkröten, die sich nicht komplett in der Erde eingegraben haben, und ganz besonders Schlüpflinge mit ihren noch weichen Bauchpanzern. Haus-, Feld- Wühlmäuse und Maulwürfe sind reine Pflanzenfresser. Von ihnen geht keine direkte Gefahr aus. Jedoch kann es passieren, dass kleine Tiere bei ihren Wühlaktivitäten umgekippt oder in eine ungünstige Position gebracht werden.

Ein Fundament von mindestens 40cm Tiefe oder ein in die Erde versenkter Maurerkübel kann Mäusen den Zugang von der Seite aus versperren. Mäuse kommen jedoch auch durch bleistiftschmale Schlitze im Eingangsbereich. Wenn man das Frühbeet nicht luftdickt verpacken will, hilft nur eine gute Mausefalle, die so aufgestellt ist, dass die Schildkröten auf keinen Fall hineingeraten. Als Köder hat sich Schokolade (Nutella) am besten bewährt.

Schildkröten, die ungeschützt im Freiland überwintern, sind durch Hunde, Füchse und Wildschweine gefährdet. Je tiefer sie vergraben sind desto geringer die Gefahr.

 

DIE KÜHLSCHRANKÜBERWINTERUNG

1 Welcher Kühlschrank ist geeignet?

Jeder handelsübliche Kühlschrank ist geeignet. Wer Energie sparen möchte,nimmt einen Kühlschrank ohne Gefrierfach und stimmt das Volumen auf die Zahl der zu überwinternden Tiere ab: Wenige Tiere – Kleiner Kühlschrank.

Alt oder neu? Zu Kälteverlust kommt es, wenn bei alten Kühlschränken die Türdichtung nicht mehr schließt. Andererseits kommt auf diese Weise von selbst Sauerstoff hinein. Neue Kühlschränke der Klasse A+++ schließen oft extrem dicht, so dass man häufiger lüften muss.

Weinkühlschränke lassen sich genauer regulieren und sind vibrationsärmer, manche arbeiten allerdings erst ab einem Temperaturbereich von 8°C.

Die Überwinterung in Inkubatoren mit Kühlfunktion erfordert einiges an Erfahrung und engmaschige Kontrollen. Nutzer berichten von Abweichungen der im Display angezeigten und der tatsächlichen Temperatur.

 

2 Wann können sie in den Kühlschrank?

Bis zum ersten Dauerfrost bleiben die Tiere in ihrer gewohnten Umgebung also in der Regel im Frühbeet oder Gewächshaus. Wenn die Bodentemperatur in der Überwinterungsgrube 3 bis 5°C beträgt, ist der perfekte Zeitpunkt für den Umzug in den Kühlschrank gekommen. Die Tiere werden dann so fest "schlafen", dass sie den Umzug nicht bemerken.

 

3 Wie sollte die Überwinterungsbox beschaffen sein?

Geeignet sind Kunststoffbehältnisse. Kein Holz, kein Pappkarton! Je nach Feuchtigkeitsmanagement kann man offene oder geschlossene Boxen oder auch Plastikkörbe verwenden. Die Box sollte so groß sein, dass sich die Schildkröte bequem um sich selbst drehen kann. Es können mehrere kleine Schildkröten in ein und derselben Box untergebracht werden. Falls die Boxen gestapelt werden, muss für ausreichend Abstand zwischen den Boxen gesorgt werden.

 

5 Alles unter Kontrolle?

Was muss ich alles kontrollieren?

Aktivität: Besonders in der Anfangsphase sollte alle paar Tage kontrolliert werden, ob die Tiere sich ruhig verhalten. Später reicht eine Kontrolle pro Woche. Die Tiere drehen sich um sich selbst und suchen sich manchmal einen anderen Platz. In Phase wird sogar gelegentlich noch Kot abgegeben, was kein Grund zur Besorgnis ist. Wenn die Schildkröte jedoch nicht zur Ruhe kommt, oder sogar versucht an den Wänden hochzuklettern oder einen mit offenen Augen anblickt, ist Auswintern angesagt. Das Tier ist mit ziemlicher Sicherheit nicht gesund.

Schimmel: Alle paar Tage öffnet man die Tür, um frische Luft hineinzulassen.

Das Substrat muss auf Schimmel kontrolliert und nötigenfalls ausgetauscht werden.

Die Temperatur überwacht man am besten mit einem oder mehreren außen ablesbaren Thermometern, deren Fühler im Substrat in der Nähe der Schildkröten versenkt sind. Einige Halter kleben die Fühler direkt an die Rückenpanzer der Schildkröten. Die Temperatur wird auf ca. 3 - 6 °C reguliert. Wegen des Temperaturgefälles im Kühlschrank empfiehlt es sich, die Boxen ab und zu von unten nach oben zu tauschen.

Feuchtigkeit: Am besten testet man die Erdfeuchtigkeit mit der Hand. Die Erde sollte sich leicht feucht, aber keinesfalls nass anfühlen. Richtwert für die Luftfeuchtigkeit: 50%

Zustand der Schildkröte: In den ersten Wochen wird die Schildkröte schon beim leichten Anstupsen ein Beinchen einziehen. Im fortgeschrittenen Verlauf – nach einigen Wochen bei Temperaturen unter 5°C - wird die Schildkröte fast bewegungslos. Der Kopf ist eingezogen, die Augen sind fest geschlossen, Bewegungen erfolgen im Zeitlupentempo. In dieser Phase kann man die Schildkröte herausnehmen und eine rasche Sichtkontrolle durchführen. 2-3 Kontrollen pro Überwinterung genügen. Sollte der Panzer rote Flecken aufweisen, ist Auswintern angesagt.

Gegen Ende der Überwinterungsperiode bildet sich manchmal ein weißlicher, schimmelartiger Belag um die Nase der Schildkröte. Ein leichter Belag ist nicht bedenklich, aber wenn dieser flächendeckend auftritt oder auf die Augen übergeht, ist Auswintern angesagt. Wiegen ist nicht notwendig Sollte tatsächlich eine Schildkröte gestorben sein, ist es ratsam, eine Obduktion durchführen zu lassen und eventuell vorhandene Artgenossen auszuwintern.

Ein weißer Belag um die Nase, der sich abwischen lässt, ist meiner Erfahrung nach nicht bedenklich

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7 Der Kühlschrank wird nicht kalt

Ein Kühlschrank braucht einige Stunden bis mehrere Tage, um seine volle Kühlleistung zu erreichen.

Um seine Funktion voll zu entfalten muss der Kühlschrank in einem Raum stehen, in dem Temperaturen von 10 – 12°C nicht dauerhaft unterschritten werden.

Manchmal liegt es nicht am Kühlschrank sondern am Thermometer. Ist das Thermometer in der Tür, im Gemüsefach angebracht? Dort ist es wärmer als in den übrigen Bereichen. Digitale Thermometer, besonders wenn sie schon in die Jahre gekommen sind, sind oft ungenau. Analoge Thermometer sind wesentlich zuverlässiger. Ein analoges Bratenthermometer leistet gute Dienste bei der Feststellung der Substrat-Temperatur. Es wird einfach in die Erde gespießt.

 

8 Was tun bei schwankenden Temperaturen?

Schaltet der Kühlschrank aus, weil "er merkt" dass es kühl genug ist, kühlen die Kältekanäle noch nach und die Luft wird kälter als gewollt. In einem nur zur Hälfte gefüllten Kühlschrank können so erhebliche Schwankungen auftreten. Die Lösung: Stellt oder legt man gefüllte Wasserflaschen in die Zwischenräume und in das Türfach, bleibt die Temperatur wesentlich stabiler, denn Wasser hat eine größere Wärmekapazität als Luft.

Strom spart man leider nicht durch die Wasserflaschen.

 

10 Meine Schildkröte hat Gewicht verloren. Soll ich sie auswintern?

Für Gewichtsverlust kommen drei Ursachen in Frage:
1. Die Schildkröte hat Kot oder Urin abgegeben. Das passiert ab und zu in der Anfangsphase der Einwinterung und ist nicht bedenklich.

2. Sie hat Flüssigkeit verloren. Das Substrat war zu trocken. Nach dem Befeuchten erreicht die Schildkröte innerhalb weniger Tage wieder ihr Ausgangsgewicht.

3. Die Schildkröte verbraucht Energie, weil sie verzweifelt versucht, aus ihrem Quartier auszubrechen oder vergeblich versucht, sich in einer Plastikbox tiefer einzugraben. Dies Problem tritt vor allem auf, wenn das Tier in einer Box überwintert wird, die im Keller, einer Werkstatt, einer Garage oder Balkon untergebracht ist. Auch habe ich schon von Schildkröten gelesen, die aufgrund eines Fremdkörpers im Darm nicht zur Ruhe kamen. Wer Energie verbraucht, verliert auch Gewicht. Unruhige Winterschläfer sind immer ein Grund zur Besorgnis. Man sollte in diesem Fall nicht so lange warten, bis es zu Gewichtsverlust kommt.


DIE AUSWINTERUNG

 

1 Wie lange dauert die Winterruhe?

Im natürlichen Lebensraum fällt die Dauer je nach Herkunftsgebiet und Klima sehr unterschiedlich aus. Bei Schildkröten des westlichen Mittelmeerraums (Thh) beträgt sie nur 3,5 Monate, bei Thb und Tgi in den nördlichen Verbreitungsgebieten des Balkan um die 5 Monate und bei T. horsfieldii sogar noch länger. Aus vielen Berichten weiß man, dass die Unterarten diese Verhaltensweisen auch in Gefangenschaft beibehalten und sogar auf ihre Nachkommen vererben. Davon abgesehen hat jede Schildkröte ihren individuellen Rhythmus.

Ivo Ivanchev ermittelte in einer Studie von bulgarischen Schildkröten an der Schwarzmeerküste folgende Werte: ("Schildkröten im Fokus 02/2007, S.8)

Thb: 139 - 157 Tage

Tgi: 109 - 167 Tage

Gerechnet wurde ab dem Tag des Eingrabens bis zum Auftauchen.

Es wurden einige Fälle beobachtet, wo Thb und Tgi an sonnigen Februartagen vorübergehend auftauchten und ein Sonnenbad nahmen. Hier handelte es sich vorwiegend um Schlüpflinge.

Unter menschlicher Obhut hat sich eine Dauer von 3,5 - 5 Monaten (gerechnet vom Tag der letzten Futteraufnahme) bewährt. Dabei kommt es weniger die Anzahl der Kalendertage an, denn Schildkröten, die den Drang haben, früh abzutauchen, tauchen in der Regel als letzte wieder auf. Mir sind Schildkröten bekannt, die nach über 6 Monaten gesund wieder zum Vorschein gekommen sind.

Ich persönlich würde sie nach spätestens 5,5 Monaten wecken, wenn sie von selbst keine Anstalten machen hoch zu kommen.

 

2 Vorzeitige oder vorübergehende Auswinterung bei einem rötlichen Bauchpanzer

Dieses Phänomen tritt bei im Kühlschrank überwinterten Schildkröten hin und wieder auf, während es in anderen Überwinterungsquartieren sehr selten ist, beziehungsweise von selbst zurück geht und deshalb gar nicht erst bemerkt wird. Noch vor einigen Jahren wurde bei einer Rotfärbung des Plastrons generell von einer Sepsis (Blutvergiftung) ausgegangen. Neueren Veröffentlichungen zufolge handelt es sich aber in den meisten Fällen nicht um eine lebensbedrohliche Sepsis sondern um eine vergleichsweise harmlose bakterienfreie Einblutung in das Unterhautbindegewebe des Plastrons, die von selbst zurück geht, sobald die Schildkröte sich erwärmt und der Stoffwechsel seine Funktion aufgenommen hat. Diese Einblutungen werden beispielsweise durch eine ungesunde Anreicherung von Stoffwechselprodukten im Körper der Schildkröte ausgelöst. In anderen Fällen kann es sich um eine Schutzreaktion gegen von außen eindringende Keime handeln.

Wie erkennt man nun als Laie, ob es sich um eine Sepsis oder um Einblutungen handelt?

Bei einer dunkelroten bis violetten Verfärbung ist eine Sepsis wahrscheinlich, während blass- oder hellrote Verfärbungen eher auf eine Panzerröte hindeuten. Letztendlich gibt nur ein Labortest durch den Fachtierarzt Aufschluss.

Bei der Diagnose Sepsis wird der Tierarzt Antibiotika verabreichen. Man sollte auf eine Bestimmung der Erreger bestehen und auf keinen Fall prophylaktisch behandeln lassen, wie es leider häufig geschieht. Antibiotika stellen eine enorme Belastung für die Schildkröte mit Langzeitfolgen für Niere und Leber dar.

Um die Ursachen für Einblutungen von vornherein zu vermeiden, werden möglichst niedrige Überwinterungstemperaturen empfohlen, außerdem ausreichende Sauerstoffzufuhr und ein nicht übermäßig feuchtes Substrat (H.J.Bidmon in "Schildkröten im Fokus" 1/2014). Schildkröten, die zu Panzerröte neigen, kann man zwischendurch aufwecken und erwärmen, um ihnen die Gelegenheit zu geben, mit dem Harn angereicherte Stoffwechselprodukte auszuscheiden. Denn auch in freier Wildbahn oder im Gewächshaus ist es nicht unüblich, dass Schildkröten an sonnigen Tagen von selbst nach oben kommen, sich sonnen, eventuell sogar ein paar Häppchen fressen, Harn abgeben und schließlich wieder abtauchen.

 

3 Vorzeitige Auswinterung bei weißlichem Befall am Panzer

Ein weiteres Phänomen, das in allen Überwinterungsquartieren auftreten kann, aber anscheinend durch die Kühlschranküberwinterung begünstigt wird, sind hornzersetzende Pilze und Bakterien. Die Kühlschranküberwinterung allein ist dafür niemals Auslöser, aber Tiere, die bereits vor der Winterstarre infiziert waren, laufen Gefahr, dass sich der Befall weiter ausbreitet. Feuchtes Substrat fördert die Ausbreitung. Aber auch die Überwinterung in trockenem, vergleichsweise hygienischen Substrat (Papier, Küchentücher) stoppt den Befall nicht, wenn die Schildkröte die Erreger bereits in sich trägt. Gefährdete Tiere sollten ab Februar engmaschig kontrolliert und gegebenenfalls ausgewintert werden. Die befallenen Stellen müssen restlos entfernt und mit einer entsprechenden Tinktur behandelt werden.

 

4 Wie verhalten sie sich nach dem Aufwachen?

Wer mehrere Schildkröten hält, weiß, dass sich die Phase des Aufwachens von Tier zu Tier unterschiedlich gestaltet. Wird eine Schildkröte Mitte Januar ausgewintert und ins Terrarium gesetzt, kann es zwei Wochen dauern, bevor sie zum ersten Mal Nahrung aufnimmt, da es den wenigsten Haltern gelingt, passende Lichtverhältnisse bereitzustellen. Wenn eine Schildkröte Mitte März im sonnenbeschienen Gewächshaus, Frühbeet oder Wintergarten von selbst aufwacht, nimmt sie meist noch am gleichen Tag Futter an und läuft neugierig herum. Die Männchen beginnen sofort mit Balzaktivitäten. Falls Sie aber eine Schildkröte besitzen, die tagelang von ihrem Erdloch aus ihre Umgebung beobachtet, bevor sie sich zu ihren ersten Aktivitäten entschließt, muss das kein Grund zur Sorge sein – sofern sie dieses Verhalten Jahr für Jahr in ähnlicher Weise an den Tag legt

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6 Wie unterstütze ich den Auswinterungsvorgang?

Ein lauwarmes Bad tut den Tieren nach dem Erwachen gut. Manche trinken in tiefen Zügen und geben anschließend den typischen schleimigen Winterurin ab. Wenn tagsüber die Sonneneinstrahlung nicht reicht, um das Frühbeet oder Gewächshaus auf Temperatur zu bringen, sollten warme Plätze geschaffen werden, beispielsweise unter Strahlern. Ein Thermostat mit Zeitschaltuhr oder ein Thermotimer leistet gute Dienste. Dabei sollte man sich an den Temperaturen im Habitat orientieren. Keinesfalls sollte jetzt schon der Hochsommer simuliert werden. Für die Nacht sollte ein Unterschlupf zur Verfügung stehen, der - wenn überhaupt - nur sehr moderat beheizt wird.

 

7 Brauche ich ein Übergangsterrarium?

Steht kein heizbares Frühbeet zur Verfügung, handelt es sich um ein sehr kaltes Frühjahr oder ist eine Schildkröte krank, kann die Unterbringung in einem Übergangsterrarium oder Innengehege notwendig werden. Hier zwei Beispiele. Die Devise heißt Licht! Licht!! Und nochmal Licht!!! Ein ungeheiztes Zimmer mit einem Südfenster oder ein Wintergarten ist ideal. Das Innengehege oder Terrarium wird so tief mit Erde gefüllt, dass man junge Futterpflanzen mit Wurzel einsetzen kann. Die Fläche wird teilweise mit Laub oder Moos bedeckt. Die Temperaturen sollten sich an den Frühjahrstemperaturen des natürlichen Lebensraums orientieren. Nachts werden die Temperaturen kräftig abgesenkt. Ein Spot, unter dem sich die Schildkröte aufwärmen kann, bietet schon vom ersten Tag an stundenweise Temperaturen von 30 – 35°C. Keine Angst vor einem Kreislaufkollaps! In einem Terrarium, das groß genug für unterschiedliche Temperaturzonen ist, wird die Schildkröte instinktiv wissen, wieviel Wärme sie verträgt.

  


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9 Wie animiere ich sie zum Fressen?

Lauwarme Bäder wirken Wunder. Natürliches Sonnenlicht wirkt durch die UVA-Strahlung appetitanregend. Wenn keine natürliche Sonne zur Verfügung steht, tut es auch eine hochwertige Licht- und UV-Quelle, wie die Osram Ultravitalux 300W. Jungtiere sind gierig auf tierisches Eiweiß. Mäkelige Tiere bekommen zum Anfüttern ein paar Messerspitzen Katzenfutter aus der Dose. Es ist immer wieder überraschend, wie aufgeregt und interessiert sie sich fleischlicher Kost zuwenden. Ist der Appetit erst einmal geweckt, nehmen sie auch Grünfutter an. Unwiderstehlich im zeitigen Frühjahr sind Kriechender Hahnenfuß, Broccoli aus dem eigenen Garten oder Feldsalat.

 

10 Alarmzeichen nach der Auswinterung

Manche Krankheiten treten erst zutage, nachdem die SK schon einige Tage aktiv gewesen ist. Sitzt die Schildkröte übermäßig lange unter der Wärmelampe und sucht auch abends nicht ihren Schlafplatz auf? Verweigert sie Futter? Zuckt sie häufig unwillkürlich zusammen, zieht den Kopf ein und macht Pressbewegungen? Hält dieser Zustand über mehrere Tage an? Helfen auch lauwarme Bäder und eine hochwertige Lichtquelle nicht? Dann ist eine Untersuchung beim Fachtierarzt angesagt.

 


 

 

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