Paarung, Eiablage und das große Suchen

 

Kaum sind meine drei Testudo hermanni boettgeri-Männchen aus der Winterstarre erwacht, beginnen sie sofort mit der Balz. Diese Phase dauert etwa bis Anfang Mai. Im Mai und Juni sind keine Paarungsaktivitäten zu beobachten, sodass die Weibchen in Ruhe ihre Eier ablegen können. Ist die Eiablage-Saison im Hochsommer beendet, beginnen die Männchen erneut die Weibchen zu verfolgen. In der Zeit von Ende Juni bis Oktober geht es wesentlich heftiger zur Sache als im Frühjahr. Die Männchen stehen in Konkurrenz zueinander und haben eine klare Rangfolge. In der Paarungszeit gehen sie sehr ruppig miteinander um.

HALTUNGSTIPP: Damit sich die Aufmerksamkeit der Männchen besser verteilt, sollte man mindestens zwei, besser drei Weibchen pro Männchen halten. Bei einem Geschlechterverhältnis 1:1 kann es zu schlimmen Paarungsverletzungen kommen, die bis zum Tod des Weibchens führen können.

 

 Just married ...

Jedes Jahr ist Lola die erste, die sich einen Platz für die Eiablage sucht - und zwar ziemlich genau 40 Tage nach dem Auftauchen aus der Winterstarre. Die anderen folgen in ihrem jährlich wiederkehrenden individuellen Rhythmus. Die letzte ist Anna, die 57-60 Tage braucht, bis sie ihr Erstgelege ausgebildet hat. Einige Weibchen zeigen durch nervöses oder sogar aggressives Verhalten eine bevorstehende Eiablage an, andere verhalten sich wie immer. Nach ausgiebigem Beschnüffeln der Erde und Probegrabungen mit Vorder- und Hinterbeinen, was mehrere Tage andauern kann, entscheiden sie sich meistens für einen der beiden Legehügel, der in der Sonne liegt und ab und zu mit der Gießkanne bewässert wird. Aber sicher sein kann man nie. Manchmal werden auf hartem Boden und sogar auf Stein Grabeversuche gemacht. Alle ausgewählten Plätze haben gemeinsam, dass sie ganztätgig von der Sonne beschienen werden.

 

          

 

Amanda, Gisela und Klops bei der Eiablage

 

Ein Gelege besteht - je nach Weibchen - aus 4 bis 11 Eiern. Es ist immer wieder faszinierend, wie geduldig sie die Grube ausheben, wie gezielt sie mit den Hinterbeinen die Eier platzieren und wie sie anschließend alles festtrampeln. Wenn es nach einer halben oder auch einer oder zwei Stunden die Grube verschlossen hat, wankt das Weibchen entkräftet davon und sucht sich entweder einen Schattenplatz zum Ausruhen, eine stärkende Mahlzeit oder nimmt ein erfrischendes Bad.

Normalerweise erfolgen 2-3 Gelege im Abstand von ca. 3 Wochen. Bei kühlem Regenwetter verschiebt sich der Legevorgang nach hinten.

 

      unglaublich, wie viele Eier in eine Schildkröte passen!

 

Die Eier sind von Form und Gewicht her unterschiedlich, so dass man sie den Weibchen relativ eindeutig zuordnen kann.

reiche  Ausbeute

 

Eier suchen und bergen: Die Stelle, an der die Eier vergraben sind, sieht anschließend so unauffällig aus, dass man wenig Chancen hat, sie zu finden, sofern man den Legevorgang nicht beobachtet hat. Mit etwas Glück entdeckt man die halbmondförmige Spur, die das Weibchen mit der Hinterbeinen beim Verschließen der Eigrube gezogen hat. Wenn es nicht gerade regnet, hilft es manchmal, weißen Sand auf den Legehügel zu streuen.

Durch tägliches Wiegen kann man feststellen, ob ein Weibchen Eier gelegt hat (aber leider nicht wo). Der Gewichtsverlust entspricht logischerweise dem Gewicht des Geleges. Bereits zwei Tage nach der Eiablage hat sich das Gewicht wieder auf das Ursprungsgewicht eingependelt.

 

    

verschlossene Eigrube mit halbmondförmiger Spur -  Entnahme der Eier

 

    

Hilfslinien aus weißem Sand

Vorzugsweise werden Eier in hartem, verdichtetem Boden und gern in der Nähe von Steinen oder Wurzeln gelegt. Bei der Bergung können die fest in den Boden gestampften Eier leicht kaputt gehen. Daher ist Vorsicht geboten. Ich nehme eine Spielzeugschaufel aus Plastik oder die Finger.

Wenn ich die Eier ausbrüten will, nehme ich sie im Laufe der nächsten Tage aus der Erde und überführe sie in das Brutgerät. Eier, die längere Zeit bei Wärme im Boden lagen, dürfen nicht mehr gedreht werden. Um die Entwicklung besser kontrollieren zu können, werden die Eier vorher unter fließendem Wasser abgespült. Und so geht es weiter...

 

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