Zucht

 

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2.Inkubation - Was passiert im Ei? klack

3.Bilanz Inkubation 2008 - 2011 kluck

4.Erkenntnisse und Besonderheiten klyck

 

Paarung und Eiablage

Die Paarung bei Thb erfolgt kurz nach der Winterstarre und im Hochsommer bis in den Herbst hinein. Die Männchen verhalten sich dabei mehr oder weniger ruppig. Damit sich deren Aufmerksamkeit besser verteilt, sollte man mindestens zwei, besser drei Weibchen pro Männchen halten. Bei einem Geschlechterverhältnis 1:1 kann es zu schlimmen Paarungsverletzungen kommen, die bis zum Tod des Weibchens führen können.

 

 Just married ...

 


           

Jedes Jahr ist Lola die erste, die sich einen Platz für die Eiablage sucht - und zwar ziemlich genau 40 Tage nach dem Auftauchen aus der Winterstarre. Die anderen folgen in ihrem jährlich wiederkehrenden individuellen Rhytmus. Die letzte ist Anna, die 57-60 Tage braucht, bis sie ihr Erstgelege ausgebildet hat. Einige Weibchen zeigen durch nervöses oder sogar aggressives Verhalten eine bevorstehende Eiablage an, andere verhalten sich wie immer. Nach ausgiebigem Beschnüffeln der Erde und Probegrabungen mit Vorder- und Hinterbeinen entscheiden sie sich meistens für einen der beiden Legehügel, der ganztägig in der Sonne liegt und ab und zu mit der Gießkanne bewässert wird. Aber sicher sein kann man nie. Manchmal werden auf hartem Boden und sogar auf Stein Grabeversuche gemacht. Alle ausgewählten Plätze haben gemeinsam, dass sie ganztätgig von der Sonne beschienen werden.

Ein Gelege besteht - je nach Weibchen - aus 4 bis 11 Eiern. Es ist immer wieder faszinierend, wie geduldig sie die Grube ausheben, wie gezielt sie mit den Hinterbeinen die Eier platzieren und wie sie anschließend alles festtrampeln. Wenn es nach 1-2 Stunden die Grube verschlossen hat, wankt das Weibchen entkräftet davon und sucht sich entweder einen Schattenplatz, eine stärkende Mahlzeit oder nimmt ein erfrischendes Bad.

Die Stelle, an der die Eier vergraben sind, sieht anschließend so unauffällig aus, dass man keine Chance hat, sie zu finden, sofern man den Legevorgang nicht beobachtet hat.

Normalerweise erfolgen 2-3 Gelege im Abstand von ca. 3 Wochen. Bei kühlem Regenwetter verschiebt sich der Legevorgang nach hinten.

      unglaublich, wie viele Eier in eine Schildkröte passen!

Wenn ich die Eier ausbrüten will, nehme ich sie im Laufe der nächsten Tage aus der Erde und überführe sie in das Brutgerät. Ich verwende die Kunstglucke FB 50-M für Reptilien der Firma Jaeger. Nach Experimenten mit verschiedenen Substraten, bei denen öfter Risse an den Eiern aufgetreten sind, brachte bei mir die offene Inkubation ohne Substrat die besten Schlupfergebnisse. Die Luftfeuchtigkeit betrug 2008 50-80%, die Temperatur konstant 32°C. In den folgenden beiden Jahren brütete ich bei konstant 33°C. Bei dieser Temperatur rechne ich vorwiegend mit Weibchen. Meine ersten Brutversuche in früheren Jahren bei 28 bis 30°C ergaben hauptsächlich Männchen. Um die Entwicklung besser kontrollieren zu können, werden die Eier unter fließendem Wasser abgespült. Es wird immer wieder darüber diskutiert, ob das Abwaschen der Eier den Brutvorgang beeinflusst. Ich konnte bisher keinen Unterschied feststellen.

                       

Inkubation - Was passiert im Ei?

 

Die Dauer der Entwicklung ist abhängig von der Bruttemperatur. Die Zeitangaben beziehen sich auf eine durchgehende Bruttemperatur von 32°C.  Die Fotos stammen aus  versehentlich beschädigten oder abgestorbenen Eiern, die ich im Laufe mehrerer Jahre Freiland oder Gewächshaus gefunden und z.T. im Inkubator weiter bebrütet habe. Auf diese Weise konnte ich die Entwicklung "hochrechnen".

Im Freiland würde die Entwicklung entsprechend länger dauern oder auch zwischenzeitlich zum Stillstand kommen (Diapause).    

Das Durchleuchten erfolgt mit einer starken Taschenlampe oder Schierlampe, die man von oben auf das Ei hält.

 

1.-3.TG: Beim Durchleuchten hat das Ei-Innere eine gleichmäßige gelb-orange Farbe

Nach 4-7 Tagen: An der Oberfläche bildet sich meist eine Luftblase (Foto unten links), die sich täglich weiter zur sogenannten "Zigarrenbinde" ausbreitet. Das Ei hat nach 2-3 Wochen eine schneeweiße Farbe (Foto unten rechts). Dies ist auch ohne die Eier zu durchleuchten gut zu sehen. Sollte diese Zigarrenbinde einmal nicht zu sehen sein, kann das Ei trotzdem befruchtet sein. Auch aus dem Ei unten links schlüpfte nach 8 Wochen eine unversehrte Schildkröte.

 

   

4 Tage nach der Eiablage... und 3 Wochen später


 Nach 2 Wochen: Beim Durchleuchten sind erste sehr feine Blutgefäße zu erkennen.

 

 

Nach 2,5 Wochen: Im Inneren hat sich bereits ein ca. 8mm großes madenförmiges Etwas gebildet (was man natürlich beim Durchleuchten nicht sehen kann).  Unterm Mikroskop erkennt man deutlich das Auge mit Regenbogenhaut und Pupille, den sich teilenden Schnabel, ein Organ, das den Leib ausfüllt (das Herz?) und eine doppelte Hautlage am Rücken, aus der sich später Knochenpanzer und Hornpanzer ausformen.

  

Nach 3 Wochen: Beim Durchleuchten sieht man feine Blutgefäße, die den  gesamten Dotter umspinnen. Der Embryo ist bereits über einen Zentimeter groß und schwimmt auf dem Eidotter im Eiklar. Gliedmaßen und Rippen beginnen, sich zu differenzieren. Das Auge ist als schwarzer Punkt deutlich sichtbar.
Um diese Zeit beginnt nach Meinung von Experten die Geschlechtsdifferenzierung.

 

 

Nach ca. 4 Wochen: Die Zehen und die äußere Form des Panzers sind in diesem Stadium deutlich zu erkennen. Auffällig ist der lange Schwanz

      


 

Nach 5 Wochen: Beim Durchleuchten scheint das Innere zur Hälfte bis zu 3/4 dunkel. Bei dünnschaligen Eiern sind beim Durchleuchten durch die Eischale Bewegungen der Gliedmaßen erkennbar. Die Panzerplatten haben sich bereits voneinander abgesetzt. Kopf und Gliedmaßen des Fetus sind durchblutet. Haut und Panzer sind papierdünn.

6.-8.Woche: Beim Durchleuchten sieht man Innere zur Hälfte bis vollständig dunkel. Aber nicht jeder Fetus füllt das Ei komplett aus. Der Schlüpfling ist äußerlich komplett entwickelt. Eingehüllt in die gallertartige Eiweißmasse schwimmt er auf dem Eidotter, der etwa die gleiche Größe hat wie der Fetus. Er kann die Augen öffnen und schließen. Haut und Panzer sind noch weich wie warmes Wachs. Der Panzer hat eine weiße Grundfarbe, auf dem sich das künftige Muster abzeichnet. Durch eine große Öffnung im Bauch wird der Fetus mittels der Nabelschnur mit Närstoffen versorgt.

    

8.-9. Woche: Der Eidotter wird nach und nach aufgebraucht. Durch das fortschreitende Wachstum sprengt der Schlüpfling schließlich die Eischale, die im Laufe der Zeit poröser geworden ist. Zusätzlich bearbeitet der Schlüpfling die Schale von innen mit den Krallen und dem Eizahn. Diese Bewegungen sind von außen wahrnehmbar. Durch rotierende Bewegungen wird die Eischale zusätzlich mit den Ecken an den hinteren Marginalschilden aufgesägt. 

Der Schlupf kann nur wenige Stunden oder auch 2 Tage und Nächte dauern. Während ich früher manchmal glaubte, Geburtshilfe leisten zu müssen, weiß ich heute, dass jeder gesunde Schlüpfling es allein schaffen wird. In den meisten Fällen können die Schlüpflinge noch am selben Tag ins Schlüpflingsgehege, wo sie erstmal ausgiebig Feuchtigkeit aufnehmen.

 

 

 

Sägezähnchen

 

Bilanz Inkubation 2008 - 2010

2008 - Temperatur konstant 32°C, Luftfeuchtigkeit 60-80%, offene Inkubation ohne Substrat, Eier abgespült, häufige Kontrollen durch Durchleuchten

 

Weibchen

 

Gelegedatum

 

Anzahl der Eier

 

Inku-

bations-

dauer

 

Unbefruchtet bzw. Keine feststellbare Entwicklung

 

Schlupf

 

Schlupf-

gewicht

 

Besonderheiten

 

Weitere Entwicklung

Lola

5.5.2008

4

-

3

 

-

-

1 nach ca. 7 Wochen im Ei abgestorben

-

Klops

11.5.2008

6

53/ 61 TG

2

3

12-14g

Das nach 61 TG geschlüpfte hatte einen riesigen Dottersack und starb noch am ersten Tag. Es handelte sich um ein sehr langes Ei, das nur halb ausgefüllt war.

normal

 

Gisela

11.5.2008

9

-

9

-

-

 

-

Amanda

12.5.2008

5

53-54 TG

3

2

11-12g

1 Schildanomalie und ohne Schwanz, Kloake aber vorhanden

normal

Anna

21.5.2008

5

53-57 TG

-

5

9-11g


normal

Lola

25.5.2008

6

53-56 TG

-

6

12-14g

 

normal

Klops

31.5.2008

5

53-56 TG

-

5

11-14g

Aus einem länglichen stark verfärbten Ei schlüpfte ein Winzling mit nicht eingezogenem Dottersack

2 Eier hochkant gelagert, Schlupf ohne Beeinträchtigungen

Das Tier aus dem verfärbten Ei blieb mickrig, bildet bei Feuchtigkeit weiße Flecken am Plastron

alle anderen normal

Gisela

1.6.2008

11

53-57 TG

-

11

10-13g

1 Tier mit Schildanomalie u. Dottersack,

1 Tier mit asymmetrisach angeordneten Schilden und sehr großem Dottersack

Die beiden links erwähnten Tiere fingen erst im Frühjahr an zu wachsen. Sie bildeten einen sehr unebenes Plastron aus. Im 2. Jahr normale Entwicklung

Anna

8.6.2008

5

51-53 TG

-

5

10-12g/7g

1 Tier unterentwickelt 7g, es überlebte nur 3 TG


normal

Befruchtungsrate: 60%, Schlupfrate (der befruchteten Eier): 95%

Drittgelege nicht ausgebrütet.

 

2009 - Temperatur 31,5 - 33,5°C, letzte Brutwoche 31°C, Luftfeuchtigkeit wie 2008, offene Inkubation ohne Substrat. Die Eier wurden nicht abgespült und nur ein mal gegen Ende der Brutzeit durchleuchtet.

 

Weibchen Gelegedatum

Anzahl

der

Eier

Inkubations-

dauer

Unbefruchtet

bzw. keine feststellbare

Entwicklung

Schlupf

Schlupf-

gewicht

Besonderheiten

Weitere

Entwicklung

Lola

17.05.2009

Zweitgelege

6 51-54 TG 0

 

3

 

11g

3 in unterschiedlichen Stadien im Ei abgestorben

Alle drei haben leichte Schildanomalien

 

normal

2009 habe ich nur ein Gelege ausgebrütet.

 

2010 - Temperatur durchgängig 33°C, Luftfeuchtigkeit wie 2008, offene Inkubation ohne Substrat

Weibchen Gelegedatum

Anzahl der

Eier

Inkubations-

dauer

Unbefruchtet bzw. keine feststellbare

Entwicklung
Schlupf

Schlupf-

gewicht
Besonderheiten

Weitere

Entwicklung
 Lola  28.04.2010  4  -  -  -  -  -  -
 Klops  30.04.2010  5  50-55TG  1  4  14-16g

Pigmentstörung des ersten Schlüpflings. 1Schlüpfling  ohne Schwanz, aber mit Kloake

 
 Gisela???  09.05.2010  3 62TG (+14TG draußen)  2  1   Schildanomalie  
 Anna  21.05.2010  5 53-54TG  1  4  9-12g    
Lola????? 25.05.2010?  4

vermutlich ca.110TG im Legehügel, danach 18-23TG im Inkubator

0 4 14g

besonders kontrastreiche Zeichnung,

wachsartiger Bauchpanzer

 
 Klops  29.05.2010  8 54-58TG  0  8  15-18g  3 x Schildanomalien  
 Lola  13.06.2010  6

53-57TG

63TG

 0

0

 3

1

 14g

 3 Eier wurden im Inkubator in einem Blumentopf mit Erde vergraben. 2 Eier verfaulten. Aus dem dritten schlüpfte ein leicht verformter Schlüpfling.

Die offen bebrüteten schlüpften ohne Anomalien.

Die Deformation verstärkte sich mit der Zeit

 

 

Erkenntnisse und Besonderheiten 2008 - 2010:

 

1) Die Angabe der Bruttemperatur ist nicht verlässlich! Auf Höhe der Eier an der selben Stelle im Brutgerät gemessen zeigten drei Thermometer drei unterschiedliche Temperaturen (zwischen 30,9 und 33°C) an !!! Unbedingt ein gutes Brutthermometer verwenden! 

2) Die offene Inkubation hat den Vorteil, dass die Eier nicht platzen und man sie gut kontrollieren kann. Nachteil: Die Schlüpflinge laufen durch den Brüter und kugeln die verbleibenden Eier herum. Abhilfe: Eier kurz vor dem Schlupf in seperate Behälter umbetten.

 

3) Das Herumkugeln der Eier in verschiedenen Stadien hatte erstaunlicherweise keine Auswirkungen auf den künftigen Schlüpfling. Die relativ häufigen Kontrollen 2008 und das Durchleuchten beeinträchtigten das Schlupfergebnis nicht. Auch wurde der Schlupf durch die häufigen Kontrollen nicht früher ausgelöst.  Schildkröteneier sind wohl doch robuster als allgemein angenommen.

4) Die Zweitgelege weisen eine wesentlich bessere Schlupfrate auf als die Erstgelege. Ich führe es darauf zurück, dass die Weibchen sich während der Reifung des Erstgelege vorwiegend im Gewächshaus aufhalten und weniger direktes Sonnenlicht erhalten und somit weniger Calcium synthetisieren. Möglicherweise sind die Eier poröser und Bakterien passieren die Eischale. Dafür spricht, dass bei Lolas Erstgelegen über Jahre hinweg immer wieder abgstorbene Embryos auftreten, bei Anna dagegen niemals.

5) 2008 gab es einen Zusammenhang zwischen Schildanomalien und Entwicklungsstörungen bzw. weiteren Fehlbildungen.

6) Bei mehreren Gelegen im Jahr ist das Erstgelege in der Regel das größte. Die folgenden Gelege bestehen aus weniger Eiern bzw. die Eier sind kleiner.

7) Auch bei kühlen Bruttemperaturen von unter 20°C über einen längeren Zeitraum bleibt der Embryo am Leben und entwickelt sich weiter.

8) Das durchschnittliche Schlupfgewicht stieg im Laufe der Jahre 1999 bis 2010 von 11g auf 14g an.

9) Am 12.September 2010 stieß ich beim Unkraut Entfernen im Legehügel auf ein Gelege. Es war vermutlich das Zweitgelege von Lola vom 25.05., musste also seit 3,5 Monaten bei Temperaturen von z.T. deutlich unter 20°C dort gelegen haben. Nach weiteren 18-23 Tagen schlüpften daraus 4 muntere Krötchen mit einer besonders interessanten Panzer-Zeichnung. Leider sind drei von ihnen im folgenden Winter einer Mäuseattacke zum Opfer gefallen. Das Überlebende Tier ist besonders agil und robust.